Wien. Sommerzeit ist Zeckenzeit, heißt es nun wieder allerorts, um vor den Gefahren, die durch Stiche der kleinen Plagegeister entstehen können, zu warnen. Vor allem die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) ist dabei einmal mehr in aller Munde. Die gefährliche Viruserkrankung wird vom Gemeinen Holzbock übertragen - aber eben nicht nur sie. Auch die besonders heimtückischen Borrelien gelangen über einen Zeckenstich in den Organismus. Die "Zecken"-Impfung, wie nach wie vor vielfach angenommen, schützt davor nicht. Zudem ist das Risiko, an einer Borreliose zu erkranken, um ein Vielfaches höher, als das FSME-Virus übertragen zu bekommen. Rund 60 Prozent der Zecken tragen nämlich die gefährlichen Borrelien, bei FSME sind es lediglich knapp ein Prozent der Tiere, erklärt der Kärntner Borreliosespezialist Albin Obiltschnig im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Unerkannt begleitet die Borreliose einen Menschen ein Leben lang - mitunter mit schwerwiegenden Folgen.

Der rote Hof als Hinweis

Alles beginnt mit einem roten Hof an der Einstichstelle eines Zecks oder auch eines Insekts - aber nur, "wenn man Glück hat". Denn bei höchstens 50 Prozent der Betroffenen tritt dieser deutliche Hinweis auf eine Übertragung von Borrelien auf. Auch unbehandelt verschwindet die kreisrunde rote Stelle nach etwa drei Wochen wieder - doch eröffnet sie die Chance, rechtzeitig eine Antibiotikatherapie gegen die Bakterien einleiten zu können.

Wird die Primärphase allerdings übersehen, kann es nach verschiedenen Zeitintervallen zu unterschiedlichsten Symptomen kommen. Diese reichen von Fieber über Gelenksschmerzen und Kopfschmerzen bis hin zu Herzrasen oder Angstzuständen. Die Symptompalette erstreckt sich über viele Bereiche der medizinischen Fachbereiche. Das ist auch ein Grund, warum die Borreliose oft lange unerkannt bleibt. Denn häufig kommt es zu Fehldiagnosen, betont Obiltschnig. So würden Gelenksbeschwerden oft als Rheuma gedeutet oder Panikattacken als psychiatrische Störung. Und so vergehen oft viele Jahre, bis ein Patient endlich die richtige Diagnose erfährt.

Intelligente Lebewesen

Der erste Behandlungsschritt wird mit Antibiotika gesetzt. Denn: "Wenn eine Mure eine Straße verlegt, dann muss man zuerst die Mure mit einer Schubkarre wegräumen, damit die Straße wieder befahrbar ist. Erst dann kann man mit Feuerwehrschläuchen die Straße reinigen", skizziert der Experte. In weiterer Folge gelte es, die Abwehrkräfte des Patienten zu stärken. Hier setzt Obiltschnig vor allem Pflanzenpräparate über einen längeren Zeitraum ein, um die Erkrankung einzubremsen, in vielen Fällen aber auch zu heilen, wie er schildert. "Je früher die Behandlung beginnt, umso wahrscheinlicher lassen sich die Symptome zum Verschwinden bringen."