Paris. (afp/est) Erstmals haben Wissenschafter aus Stammzellen Embryo-ähnliche Strukturen erzeugt, ohne Spermien oder Eizellen zu verwenden. Bei den Versuchen wurden die Stammzellen von Mäusen verwendet, berichtet das britische Team im Fachblatt "Nature". Die Plazenta- und embryonalen Zellen hätten sich zu einer Art Proto-Embryo organisiert. In Mäuse eingepflanzt, hätten sie Schwangerschaften eingeleitet.

Das Verfahren habe nicht zum Ziel gehabt, lebensfähige Embryonen hervorzubringen, was auch nicht geschehen sei, heißt es in der Studie. Gleichwohl biete es Einblicke in die Frühphase des Lebens und die Befruchtung.

"Black Box" Schwangerschaft

Nicolas Rivron von der Universität Utrecht sprach von einem "Durchbruch" in die "Black Box der frühen Schwangerschaft". Denn in der Frühphase habe ein Embryo den Durchmesser eines menschlichen Haares. In der Gebärmutter sei er daher für eine Untersuchung unzugänglich. "Diese frühen Embryonen haben alle Zelltypen, die für die Bildung eines ganzen Organismus erforderlich sind. Sie werden uns helfen, die Prozesse am Beginn des Lebens zu verstehen und Lösungen für Fruchtbarkeitsprobleme zu finden."

Studienautor Clemens van Blitterswijk sieht einen Weg hin zu einer "neuen biomedizinischen Disziplin". Immerhin gehen heute zwei Drittel der künstlichen Befruchtungen schief - die meisten bei der Einpflanzung der Embryonen in die Gebärmutter.

Die Forscher haben nach eigenen Aussagen derzeit keine Pläne, den Versuch mit menschlichen Stammzellen zu wiederholen. Robin Lovell-Badge, Experte am britischen Francis Crick Institute, der an der Studie nicht beteiligt war, betonte dazu in der BBC: "Embryo-artige Strukturen von Menschen wären nützlich für die Forschung. Jedoch wäre es in den meisten Ländern illegal, sie in die Gebärmutter einzubringen."