Wien. Der Paläogenetiker Svante Pääbo sequenzierte 2009 das Neandertaler-Genom und zeigte, dass Teile davon im Erbgut heutiger Menschen sind. Zudem identifizierte 2010 die vor 40.000 Jahren lebenden Denisova-Menschen anhand von DNA-Resten. Anlässlich eines Vortrags heute, Freitag, bei der Feierlichen Sitzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien sprach die APA mit dem Forscher.

APA: In ihren frühen Tagen haben die modernen Menschen gemeinsam mit Neandertalern und Denisova-Leuten existiert. Was fehlt diesen beiden Menschenarten, warum sind sie ausgestorben und die modernen Menschen übrig geblieben?

Pääbo: Ich glaube nicht, dass ihnen etwas fehlte, es liegt meines Erachtens ziemlich sicher an uns modernen Menschen. Heute sind zum Beispiel die Orang-Utans vom Aussterben bedroht, und wir wissen genau, was der Grund ist. Es liegt nicht an ihnen, sondern an uns, an der Abholzung, dem Wildern und so weiter. Genau so war es wohl, als sich die modernen Menschen verbreiteten. Die Neandertaler in Europa sind verschwunden, die Denisova Leute in Asien und die Hobbits in Indonesien waren auf einmal weg, und auch andere Menschenformen in Afrika, die es damals gab. Ich denke, es liegt irgendwie an dem Verhalten der modernen Menschen. Wir sollten also in unserem Erbgut nach dem Grund ihres Verschwindens suchen. Das kann man durch einen Vergleich des Genoms moderner Menschen etwa mit jenen von Neandertalern und Denisovanern untersuchen.

Haben Sie schon eine Vermutung oder gibt es konkrete Daten, was es sein könnte.

Eigentlich nein, es gibt nur Spekulationen. Ich vermute, es liegt daran, dass das Verhalten der modernen Menschen in mancher Hinsicht anders ist, als bei allen anderen Menschenformen. Die Neandertaler und andere ausgestorbene Menschenarten haben viel länger existiert, als moderne Menschen, etwa 400.000 Jahre gegenüber 200.000 Jahren. Sie sind aber nie nach Amerika gekommen, nie nach Australien, mit wenigen Ausnahmen haben sie Wasser nur überquert, wo man Land auf der anderen Seite sieht.

Das änderte sich drastisch, als die modernen Menschen kamen. In nur 50.000 bis 60.000 Jahren besiedelten sie alle großen Kontinente und jede kleine Insel bis ans Ende der Welt. Wir sind irgendwie verrückt und die anderen waren es nicht. Wir können auch nie aufhören, jetzt wollen wir sogar zum Mond und zum Mars. Es gibt also etwas bei modernen Menschen, dass sie sehr expansiv macht. Dadurch kam es wohl zu Konflikten oder zur Verdrängung von anderen, nahe verwandten Menschenformen, genauso wie wir es heute noch bei den Menschenaffen sehen.