Sind daran vielleicht Gene beteiligt, die im Hirn aktiv sind und eine andere Art des Verhaltens hervorrufen?

Es hat wohl irgendwas mit unserer Kognition (Wahrnehmung; Anm.) und dem Verhalten zu tun. Der moderne Mensch tickt vielleicht im sozialen Bereich irgendwie anders, und hat eine Tendenz, große Gesellschaften zu bilden.

Das heißt, es könnten auch Sprache und Kooperation grundlegend anders sein, und da gibt es vielleicht Gene zu finden, die das unterschiedlich beeinflussen?

Ja, genau.

Es gibt die modernen Menschen nun seit ein paar hunderttausend Jahren und sie haben sich stets weiterentwickelt. Passiert dies auch heute noch, oder ist die menschliche Evolution zum Stillstand gekommen?

Jedes Kind, das geboren wird, hat 50 bis 100 neue Mutationen, die weder vom Vater, noch von der Mutter kommen, und die Häufigkeit von genetischen Varianten trennen sich in den Populationen auf. Wir verändern uns also die ganze Zeit. Aber für die wesentlichen Dinge sind unser Verhalten und die Kultur wichtiger als die biologische Evolution. Seitdem wir Straßenverkehr und schnelle Autos haben, sind Verkehrsunfälle ein großes Risiko für unsere Kinder. Aber wir warten nicht auf Mutationen, die sie vorsichtiger machen, wenn sie die Straße überqueren. Wir bringen ihnen bei, links und rechts zu schauen und einen Zebrastreifen zu benutzen. Das ist eine kulturelle Antwort auf eine neue kulturelle Bedrohung. Heute ist also die soziale Entwicklung viel wichtiger als die biologische.

Was kann man noch alles von "alter DNA" lernen?

Wir haben zum Beispiel von ihr erfahren, dass die modernen Menschen vor etwa 600.000 Jahren einen gemeinsamen Ursprung mit Neandertalern hatten, später haben sie sich wieder getroffen und tatsächlich miteinander gemischt, also Kinder gezeugt. Diese wurden in die Gesellschaft der modernen Menschen integriert und hatten ihrerseits Nachwuchs, sodass ein paar Prozente Erbgut bei allen Menschen außerhalb Afrikas von Neandertalern stammen.