Ein Schnipp und der Schaden ist weg: Die Gen-Schere Crispr/Cas 9 ist ein effizientes Werkzeug. - © mis
Ein Schnipp und der Schaden ist weg: Die Gen-Schere Crispr/Cas 9 ist ein effizientes Werkzeug. - © mis

Washington. (est) Eckige Äpfel, sternförmige Reiskörner, Soja ohne Transfette, plastikfressende Bakterien, frostresistente Bananenbäume und nicht zuletzt Menschen, die keine Erbkrankheiten haben, aber ein Aussehen nach Wunsch: Die Gen-Schere Chrispr/Cas beflügelt die Fantasie. Das macht auch Angst. In den USA landen bereits erste Ergebnisse dieser Technik in den Einkaufskörben, obwohl vielen Menschen noch gar nicht klar ist, was die Gen-Schere alles kann, wo sie sinnvollerweise zu Anwendung kommen könnte und wo sie ethisch problematisch ist.

Crispr/Cas oder kurz Crispr ist ein Werkzeug, das das Potenzial hat, die Welt, das Leben an sich und uns Menschen zu revolutionieren. Mit der als "Krisper" ausgesprochenen Allzweck-Gen-Schere lässt sich die Erbsubstanz wie ein Text umschreiben, oder im Fachbegriff: edieren. Man spricht deshalb von Gen-Editing. Seit 2012 steigt Crispr zum Superstar der Biotechnologie auf. Das Werkzeug kann bei fast allen Organismen zum Einsatz kommen. Es arbeitet präziser als klassische Methoden der Gentechnik. So einfach, schnell und preiswert wie noch nie findet die Schere jede angepeilte Stelle im Genom. Dort zerschneidet sie eine schädliche Erbanlage und entfernt oder verändert sie. Im Anschluss repariert sie das Gen.

Eingriff in die Evolution

Obwohl das Verfahren jung ist, entfacht es bei Forschern und Konzernen Euphorie. Weltweit stecken sie Grips und Geld in die Methode. Crispr könnte helfen, schwere Erbkrankheiten und Krebs zu heilen, witterungsresistentes Getreide zu entwickeln oder den Weltmüll zu beseitigen. Versuche in China, Großbritannien oder den USA, menschliche Embryonen mit Crispr so zu verändern, dass schädliche Erbkrankheiten aus der Keimbahn verschwinden, schüren allerdings tiefe Ängste: Wird es manipulierte Babys geben? Menschen mit veränderten Eigenschaften? Wo setzen wir die Grenzen?

Hertz Nazaire (45), Künstler haitisch-amerikanischer Herkunft, lebt in Bridgeport im US-Staat Connecticut und malt große Bilder. Einige zeigen verzerrte, weinende Gesichter, DNA-Stränge und sichelförmige rote Plättchen. Nazaire hat Sichelzellenanämie, eine Erberkrankung, die seine roten Blutkörperchen deformiert und verklumpen lässt. "Ich habe fast ständig Schmerzen", erzählt er im Gespräch mit der Deutschen Presse Agentur. Rund 300 Mal war er bisher im Krankenhaus, aber es gibt keine Heilung. Nun schöpft Nazaire Hoffnung: Die Krankheit, an der Millionen Menschen leiden, wird von einer einzigen Genmutation ausgelöst. 2016 gelang es Forschern der University of California im Labor, die betroffene Stelle im Genom mit Hilfe von Crispr anzusteuern. Dort konnten sie die Mutation beheben.