Boulder. (est) Die Erfindung der Landwirtschaft in der Jungsteinzeit veränderte die Welt nachhaltig, doch ihr Ursprung gibt Rätsel auf. Zeugnisse vom ersten Ackerbau sind in archäologischen Stätten zu finden und diese Funde lassen mehrere Thesen zu. Einer Theorie zufolge begannen die Menschen damit aus Notwendigkeit, da veränderte Umweltbedingungen es nicht mehr zuließen, von der Fülle des Landes zu leben.

US-Forscher bestätigen nun aber genau das Gegenteil: Ihnen zufolge entwickelte sich die Landwirtschaft aus dem Überfluss. Bessere Umweltbedingungen und eine steigende Bevölkerungsdichte ermöglichten jenen Wohlstand, der es erlaubte, neue Ideen auszuprobieren. Das berichtet das Team der Colorado State University im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Klima als Tupfen auf dem i

Anhand von Modellen analysierten die Forschenden die Zusammenhänge zwischen Umwelt, Kultur und Bevölkerungsdichte bei Jägern und Sammlern. Zu den Einflussfaktoren zählten Umweltstabilität und -produktivität, die Frage, wie weit einzelne Gruppen siedelten, Eigentum von Ressourcen und Küstennähe. Die Forscher fütterten ihr Modell auch mit vergangenen Klimadaten. Sie errechneten Bevölkerungsdichten weltweit bis 21.000 Jahre zurück und verglichen die Ergebnisse mit dem Klima zum Beginn des Ackerbaus an zwölf archäologischen Stätten.

Von den Hochebenen Neu Guineas über Zentralamerika bis in den Mittleren Osten herrschten überall zu den landwirtschaftlichen Anfängen gute Umweltbedingungen, berichtet Hauptverfasser Patrick Kavanagh. Ein gemäßigtes Klima könnte der Tupfen auf dem i gewesen sein, der den Menschen den Luxus gab, neue Ideen zu testen. Viele Menschen auf kleinem Raum konnten ihre Ideen teilen und Innovationen gemeinsam zuwege bringen.