Cambridge. (est) Steile Hänge, wenig landwirtschaftliche Fläche und eine dünne Luft, die den Umsatz von Nahrung in Energie erschwert: Körperlich stehen Gebirgsbewohner vor mehreren Herausforderungen. Für das Körperwachstum steht ihnen weniger Energie zur Verfügung als den Menschen im Tal.

Ein internationales Team unter der Federführung der Universität Cambridge hat untersucht, wie sich diese Tatsache sich auf das Wachstum der Langknochen von Völkern auswirkt, die auf 3500 Seemeter im Himalaya leben. Sie verglichen die Länge der Gliedmaßen von Menschen ähnlicher genetischer Herkunft im Gebirge und im Tal. Es zeigte sich, dass Menschen in hoch gelegenen Gebieten zwar kürzere Unterarme entwickeln, jedoch ebenso lange Oberarme wie Talbewohner.

Körper setzt Prioritäten

"Wenn die Energieressourcen begrenzt sind, setzt der Mensch Prioritäten, welche Abschnitte er stärker wachsen lässt. Andere Körperteile müssen zurückstecken und in diesem Fall sind das die Unterarme", betont Erstautorin Stephanie Payne vom Department für Archäologie der Universität Cambridge in einer Aussendung zu der im Fachjournal "Royal Society Open Science" erschienen Studie. Priorität hätte hingegen die Hand, ohne die man nichts greifen kann, und der Oberarm wegen seiner Kraft.

250 Vertreter des Himalaya-Volkes der Sherpa nahmen an der Studie teil. Die Forscheneden verglichen die Daten mit jenen von genetisch ähnlichen Gruppen in den Niederungen von Nepal. Die Ergebnisse bestätigen jene von früheren Studien in den Anden, deren Völker ähnlichen Wachstumsmustern folgen. Die dahinterstehenden biologischen Mechanismen sind noch nicht bekannt. Sie könnten mit Temperatur, verändertem Blutfluss in die Gliedmaßen und der Energieaufnahme der Gelenke zu tun haben.