Cambridge/Wien. (gral) Menschen mit Diabetes Typ 1 sind auf Spritzen angewiesen, mit denen sie sich selbst das nötige Insulin zuführen, das ihr eigener Körper nicht in der Lage ist zu produzieren. Wie einfacher wäre es, nur eine Pille schlucken zu müssen.

Forscher der Harvard John A. Paulson School of Engineering and Applied Sciences haben nun eine Möglichkeit entwickelt, Insulin oral zu verabreichen. Das könnte den Weg, wie Diabetiker ihren Blutzuckerspiegel unter Kontrolle bekommen, völlig umkehren. Nicht nur, dass die Art und Weise der Gabe für weltweit mehr als 40 Millionen Menschen das Leben verbessern könnte, so könnte auch eine Reihe an Erkrankungen reduziert werden. Denn im Laufe ihres Lebens sorgen häufig Nebenwirkungen durch eine falsche Verabreichung für lebensbedrohende Komplikationen.

Noch im Tierversuch

Eine Insulintherapie hält den Zuckerhaushalt der meisten Diabetiker Schach. "Viele Menschen allerdings scheuen sich vor dem Schmerz des Stichs oder entwickeln eine Phobie gegen die Nadel", erklärt der Medizintechniker Samit Mitragotri. Eine ungenaue glykämische Kontrolle kann zu ernsten Gesundheitsproblemen führen. Das Ziel, Insulin oral verabreichen zu können, war den Forschern zufolge nur schwer zu erreichen. Das Protein wird schnell von der Magensäure angegriffen und wird außerhalb des Darms kaum aufgenommen. Das Insulin wurde daher mit äußerst säureresistenten Substanzen - Geraniumsäure und Cholin - versehen, um es auf den richtigen Weg zu führen - nämlich in den Blutkreislauf. Die orale Aufnahme entspreche eher dem Ablauf, wie es bei gesunden Menschen die Bauchspeicheldrüse bewerkstelligt, heißt es in der Studie. Nun sollen Untersuchungen bezüglich einer möglichen Toxizität und Sicherstellung der Bioverfügbarkeit folgen. Derzeit geschieht dies im Tierversuch.