Cardiff/Wien. Die Zahl der Orang-Utans ist im Abnehmen. Schuld daran trägt der Mensch. Wilderei und die Abholzung großer Waldflächen beziehungsweise deren Umwandlung in landwirtschaftliche Nutzflächen nehmen ihnen Leben und Lebensraum. Und so wurde der Orang-Utan neben dem Eisbären ein Symbol der Verwundbarkeit der Natur und damit des Planeten Erde. Doch scheint die Bedrohung durch den Menschen kein neues Phänomen zu sein. Und die Tiere selbst scheinen wesentlich widerstandsfähiger zu sein, als man bislang dachte, berichten Forscher der Cardiff University im Fachblatt "Science Advances".

Verbreitung reduziert

Ein Wissenschafterteam um den Molekularökologen Mike Bruford brachte Licht hinter die Entwicklung dieser bedrohten Spezies. Über tausende von Jahren hat der Mensch demnach den Orang-Utan, wie wir in heute kennen, geformt. "Unsere Studie zeigt, dass Orang-Utans lange Erfahrung darin haben, sich an bestimmte Lebensbedingungen in unterschiedlichen Gebieten anzupassen, um zu überleben. Auch jene, die vom Menschen besonders bedrängt werden", erklärt Bruford. Das bedeutet den Forschern zufolge, dass die Menschenaffen in viel unterschiedlicheren Lebensräumen leben können als bisher angenommen.

Oft wurde vermutet, dass Umweltbedingungen wie das vorhandene Nahrungsangebot vorwiegend für die meisten Verhaltensweisen des modernen Orang-Utans verantwortlich sind. Wie zum Beispiel die Tatsache, dass die Tiere eine eingeschränkte geografische Verbreitung haben. Die Studie zeigt allerdings, dass der Orang-Utan, der schon früher als der Moderne Mensch lebte und vor 70.000 Jahren in Südostasien angekommen war, wesentlich anders gewesen sein musste.

Früher waren die Tiere wesentlich weiter verbreitet und es waren auch wesentlich mehr Individuen vorhanden, wie anhand von Zähnen, die in China, Thailand und Vietnam gefunden wurden, nachgewiesen werden konnte. Im Vergleich zu ihren modernen Gefährten überstanden sie den Wissenschaftern zufolge viele Umweltveränderungen und lebten vermutlich in unterschiedlichen Umgebungen.

Heute sind Orang-Utans nur noch auf Borneo und Sumatra beheimatet. Auch in der Umgebung von Palmölplantagen und Forstgebieten würden sich die Tiere grundsätzlich recht schnell anpassen, so das Urteil der Forscher. Dennoch werden sie derzeit in ihrer Anzahl weniger und die Erschließung neuer Lebensräume für die Tiere wird wohl unumgänglich sein. Die Anpassungsfähigkeit scheinen sie zu besitzen. Die Studienergebnisse eröffnen neue Möglichkeiten für den Schutz der Orang-Utans. "Nur mit umfangreichen Schutzmaßnahmen werden wir eine Chance haben, dieses unglaublich wichtige Tier vor dem Aussterben zu schützen", betont Mike Bruford.