Durch die steigende Zahl von multiresistenten Keimen müsse immer wieder an die Wichtigkeit der Prävention einer Übertragung von Infektionen und deren Erregern erinnert werden. Internationale Studien haben nämlich gezeigt, dass schon bei einem Anstieg der Händedesinfektionsrate von 48 Prozent auf 66 Prozent eine Reduktion der Infektionen von 17 auf zehn Prozent erfolgt. Europaweit liegt die Compliance derzeit bei ungefähr 50 Prozent.

Zu Lebzeiten wurde Semmelweis keine Würdigung zuteil - im Gegenteil: Im März 1847 hatte der im ungarischen Buda geborene Semmelweis den Tod eines Freundes und Lehrers, des Gerichtsanatomen Jakob Kolletschka, zu beklagen. Er war an Blutvergiftung gestorben. Ein Student hatte ihn bei einer Sektionsübung mit einem Skalpell in den Finger geschnitten. Genau das war der springende Punkt, der entscheidende Hinweis auf den Ursprung solcher Infektionen.

Doch Semmelweis’ Chef Johann Klein und andere Mediziner glaubten nicht an seine Erkenntnisse. Im März 1849 wurde schließlich sein Assistenzvertrag nicht verlängert. 1850 gab es Probleme mit seiner Dozentur. Er erhielt nur eine beschränkte Lehrbefugnis. So ging er nach Budapest, wo er erst ab Mai 1851 als unbezahlter Honorarprimar am St.-Rochus-Spital arbeiten durfte. 1855 wurde er schließlich an die geburtshilfliche Lehrkanzel in Budapest berufen.

Die Bakteriologie war
noch nicht geboren

Erst im Jahr 1858 entschloss sich Semmelweis zur Herausgabe seines ersten Aufsatzes: "Die Ätiologie des Kindbettfiebers". Doch die Arbeit setzte sich nicht durch. Einflussreiche Ärzte in Wien, Prag, Würzburg, Berlin sowie Paris beschlossen, die neuen Erkenntnisse weiterhin abzulehnen. Als praktisch letzte Agitationsmöglichkeit verwendete Semmelweis schließlich offene Briefe. "Das Morden muss aufhören und damit das Morden aufhöre, werde ich Wache halten, und ein jeder, der es wagen wird, gefährliche Irrtümer über das Kindbettfieber zu verbreiten, wird an mir einen rührigen Gegner finden", schrieb er darin kämpferisch.

Die Bakteriologie, die später Keime als Erreger identifizieren konnte, war noch nicht geboren. Die Lebenszeit des Arztes lief ab. Er erkrankte an einer Paralyse. Irrenhaus und der Tod am 13. August 1865 waren die Konsequenz. Als eigentliche Todesursache wurde paradoxerweise allerdings auch bei ihm eine Blutvergiftung aufgrund einer zuvor erlittenen Verletzung festgestellt.

Erst eine Ärztegeneration später setzte sich die Umsetzung von Hygienemaßnahmen bei Frauen im Kindbett durch und die wissenschaftliche Welt wurde sich der Bedeutung von Semmelweis’ Erkenntnissen bewusst.