Das Smartphone selbst spricht den Menschen enorm an, werde allerdings als "Suchtmittel" überschätzt, erklärte Haller. Dennoch ist es wohl eine jener wenigen Abhängigkeiten, die nicht auf herkömmliche Art und Weise therapiert werden kann. Jede Suchttherapie zielt nämlich auf Abstinenz ab. Beim Kommunikationsmittel Smartphone stellt das ein nicht wirklich zielführendes Unterfangen dar.

Völlig neue Situation

Die Therapeuten stehen daher vor einer völlig neuen Situation. Um das soziale Leben nicht zu beschneiden, gelte es daher, die Betroffenen hin zu einem kultivierten, kontrollierten Umgang mit dem Gerät zu führen, so Haller. Zeitlimitierungen seien ein erster Schritt - auch bei Kindern, die durch die spielerische Komponente vor allem als gefährdet gesehen werden können.

Bei Kindern habe vor allem die Vorbeugung Priorität. Jene Faktoren, von denen man wisse, dass sie die Suchtgefahr minimieren, sollten in den Fokus rücken. Den Nachwuchs zu selbstbewussten Menschen heranziehen, ihm Sicherheit geben und Autonomie lehren, seien das Gebot der Stunde, so der Experte.

Doch vor allem scheint es die Rauschwirkung zu sein, die den Menschen triebhaft zu steuern im Stande ist. Hierbei kommen Alkohol und Drogen einmal mehr ins Spiel. "Der Rausch liefert zumeist das, was der Mensch sucht", betonte Haller. Depressive Menschen werden in diesem Zustand wieder fröhlich, ängstliche Menschen wiederum lockerer. Dass mit der Sucht ein Freiheitsverlust in Kauf genommen wird, wird den Betroffenen erst spät bewusst. "War einst die Freiheit der Gesellschaft größtes Gut, so tun wir heute vieles, um unfrei zu werden", zeichnet Haller ein Bild der Kontroverse auf.

Suchtmittel in der Medizin

Seit jeher kommen Suchtmittel auch in der Medizin zum Einsatz. Die Behandlung von starken Schmerzen wäre ohne Opiate kaum noch denkbar. Auch Cannabis gewinnt im medizinischen Bereich in der Schmerztherapie immer mehr an Bedeutung. Ob gerechtfertigt oder nicht - darüber streiten nach wie vor die Experten. Während manche Ärzte dem Medizinalhanf eine gute Wirksamkeit zuschreiben, sprechen andere höchsten von einer moderaten Einflussmöglichkeit. Bis Ende des Jahres will das Gesundheitsministerium einen Bericht zum medizinischen Einsatz von Cannabis verfassen. "Die Wirkung ist bei weitem nicht so gut wie gesagt", so Haller dazu.

Auch ein Expertenbericht aus Deutschland stellt Cannabis kein besonders gutes Zeugnis aus. Die Wirkung sei vielfach nicht ausreichend belegt, heißt es in einem Bericht, der mit Unterstützung der Techniker Krankenkasse entstanden ist. Medizinalhanf kommt etwa bei der Behandlung von Schmerzen, ADHS, Depression oder Übelkeit bei Krebstherapien zum Einsatz. "Doch die Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit von Cannabis in der Medizin ist für viele dieser Indikationen inkonsistent und lückenhaft. Es gibt zwar für einige Anwendungsbereiche positive Patientenberichte, es liegen aber nur wenige aussagekräftige Studien von methodisch hoher Qualität vor", heißt es in dem Bericht.

Dennoch hatte erst Anfang des Jahres die Herbal Medicinal Products Platform Austria den Hanf zur Arzneipflanze des Jahres gekürt. Die daraus extrahierten Reinsubstanzen THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) werden auch hierzulande gegen Schmerzen oder Übelkeit eingesetzt. "Cannabinoide können starke Opioide keinesfalls ersetzen, aber deren Wirkung steigern und deren Nebenwirkung wie Appetitmangel oder Übelkeit reduzieren", hatte Georg Kress von der Abteilung für spezielle Anästhesie und Schmerzmedizin an der Meduni Wien dazu erklärt.