Michigan. (est) Was macht den Menschen einzigartig? Es ist nicht allein die Erfindung der Wort-Sprache oder der Malerei, sondern auch die Fähigkeit, sich an verschiedenste Umweltextreme anzupassen. Diese These unterbreitet ein deutsch-amerikanisches Team im Fachmagazin "Nature Human Behaviour". Anders als seine Vorfahren und seine Verwandten im Tierreich ist der Homo sapiens nämlich in der Lage, in Wüsten und Regenwäldern, im Hochgebirge und an Küsten Europas, Nordafrikas und Asiens zu überleben.

Generell und spezifisch

Aus dem Blickpunkt der Evolution ist die Gattung Homo eine diverse Gruppe. Vor einer Million Jahren wanderte Homo erectus bis nach Spanien, China und Indonesien. Analysen von Fossilien legen nahe, dass er in Wäldern und im Grünland lebte. Homo florensis soll den tropischen Regenwald bewohnt haben, während die Neandertaler vor 250.000 bis 40.000 Jahren eher nördliche Breitengrade bevorzugten. Der Homo sapiens verbreitete sich hingegen überall. Vor 45.000 Jahren war er dabei, Gebiete in Europa, Nordafrika und Asien, die Tropen Asiens und Amerikas, die Hochebenen Tibets und die Anden zu kolonisieren.

"Genetische Untersuchungen an Fossilien verraten viel über die Geschichte unserer Art. Die von Umweltfaktoren vorgegebene biokulturelle Selektion lassen sie aber außer Acht", sagt Erstautor Patrick Roberts. Er sieht eine neuartige ökologische Nische, den "spezialisierten Generalisten". Er kann sich viele Rohstoffquellen zunutze machen und unterschiedliche Situationen nutzen, aber auch Mangelwirtschaft in kargen Gebieten betreiben. Zum Erfolg dieser Vorgangsweise tragen die Fähigkeit zur Kooperation mit Nicht-Verwandten, das Aufrechterhalten von Kontakt über große Entfernungen und rituelle Beziehungen bei, die es dem Menschen erlaubten, sich "reflektiv" sich an lokale Bedingungen anzupassen.