Verschwinden gute Darmbakterien schneller als schlechte?

Bei Mäusen ist das über vier Generationen der Fall. Eine Theorie zum Menschen ist, dass der Mikrobenverlust schuld sei am immer häufigeren Auftreten von Diabetes. Viel Zucker und Fett, verpacktes Essen und helles Toastbrot schmecken zwar gut, zudem sind diese Lebensmittel leicht verdaulich. Aber wir sollten länger etwas vom Essen haben und zu diesem Zweck gehören alle Mikroben beschäftigt.

In Europa leiden zwei Millionen Menschen an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Gestörte Darm-Mikrobiota sind Auslöser. Wie erfolgsversprechend sind Fäkal-Transplantationen zur mikrobiellen Wiederbesiedlung des Darms?

Die Erfolge bei Schwerkranken sind immens vielversprechend. Fäkal-Transplantationen sind allerdings der letzte Ausweg für Patienten, bei denen nichts anderes mehr funktioniert. Da wir nicht wissen, was wir mit dem Mikrobiom noch alles übertragen - Viren, Phagen, Metabolite - geht man bei leicht erkrankten Personen kein Risiko ein. Zudem ist der Effekt ohne dauerhafte Ernährungsumstellung bald vorbei. Auch muss der richtige Spender gefunden werden. Wie sich gezeigt hat, gibt es sogar Power-Spender, deren Mikrobiom sich durchsetzt.

Ist das Power-Mikrobiom also so etwas wie ein Sieger der Evolution?

Grazer Kollegen haben verschiedene Spender getestet, deren Stuhl besser wirkt als jener von anderen Menschen. Sie versuchen, zu definieren, wie ein starkes Mikrobiom aussieht. Es hängt vom Zustand des gesamten Körpers ab und davon, wie unser Immunsystem trainiert und beschaffen ist.

Fördert Bewegung auch die Fitness des Mikrobioms?

Es gibt Studien, die das belegen. Allerdings ernähren sich Sportler auch eher bewusster, trinken mehr und hören auf die Signale ihres Körpers.

Auch die Haut hat ein differenziertes Mikrobiom. Warum haben manche Menschen fettige Haare oder leiden eher an Hautkrankheiten?

Die Haut ist für das Immunsystem ein Riesenthema. Ihre Bakterien reagieren auf Hygiene. Antibakterielle Seifen stressen sie und fördern Resistenzen auf der riesigen Oberfläche der Haut. Cremes wirken sich dagegen eher positiver aus, weil sie die Haut befeuchten. In der Regel passt sich das Mikrobiom an die Umstände an und organisiert sich entsprechend - es gibt Menschen, die sich seit 14 Jahren nicht geduscht haben, andere duschen täglich. In der Regel passt sich das Haut-Mikrobiom an die Umstände an, wenn wir es aber verstehen, positive Bakterien zu unterstützen, werden negative automatisch unterdrückt. Wer dieses Zusammenspiel versteht, kann auch Infektionen vorbeugen.

Kann man das Immunsystem trainieren?