Auch an Land kann Mikroplastik Schaden anrichten, warnen Forscher. Im Boden bringt es die Fauna aus dem Gleichgewicht. Außerdem zerfallen Plastikpartikel immer weiter, wodurch zusätzliche Gefahren entstehen. So gelangen Zusatzstoffe wie Bisphenol A oder Phtalate in die Umwelt. Solche Substanzen würden laut Herndl den Hormonhaushalt stören: "Sie haben in Experimenten Mäuse dick gemacht." Diese Stoffe sind auch für den Menschen gesundheitsgefährdend.

Wenn Partikel kleiner als ein tausendstel Millimeter sind, können sie sogar in Zellen eindringen und dort zu Entzündungen führen oder die Verwendung von Genen durcheinanderbringen. Sogenanntes Nanoplastik wird auch über die Lunge aufgenommen werden, was zu gesundheitlichen Problemen führen kann.

Die Schäden durch Mikroplastik könnten in Zukunft immer mehr spürbar werden, denn die weltweite Herstellung des Kunststoffes steigt laufend. "In den letzten 15 Jahren hat sich die Produktion von Plastik verdoppelt", warnt der Wissenschafter. In der EU fallen jedes Jahr rund 26 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an. Auch Österreich ist betroffen, denn aus der Alpenrepublik werden jährlich 40 Tonnen Plastik über die Donau abtransportiert.

An Lösungen wird bereits gearbeitet: Mit dem "Zero Pellet Loss Pact" haben sich Teile der heimischen Industrie verpflichtet, weniger Kunststoff in die Natur zu pumpen. Ingeborg Zechmann vom Umweltbundesamt, das bereits mehrere Studien zur heimischen Mikroplastikbelastung durchgeführt hat, sieht in Österreich trotzdem Handlungsbedarf: "Das Ziel muss sein, Plastik nur dort zu verwenden, wo wir es wirklich brauchen, wo es keine Alternativen gibt." Essenziell dafür seien europäische Lösungen, denn die Kunststoffteilchen betreffen den gesamten Kontinent und seien im Weiteren deshalb auch ein globales Problem.

Raus aus Kosmetika

An EU-weiten Lösungen arbeitet auch das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, so Pressesprecher Daniel Kosak. Man habe sich deswegen für die EU-Plastikstrategie eingesetzt. Damit sollen unter anderem Recycling gefördert und die Verwendung von Einwegkunststoffen, die oft in der Natur landen und zu Mikroplastik zerfallen, eingedämmt werden.

Das EU-Parlament hat am vergangenen Donnerstag über den europäischen Kunststoffplan beraten und fordert zusätzlich ein generelles Verbot von Mikroplastik-Zusätzen in Kosmetika. NGOs wie Global 2000 geht die Strategie ebenfalls nicht weit genug. Die Zeit drängt, weiß Gerhard Herndl: "Wenn die Produktion so weitergeht wie bisher, wird sich Mikroplastik in Zukunft merkbar auswirken."