- © Stock Adobe/dirkmutze1969
© Stock Adobe/dirkmutze1969

London. Wespen gehören wie Bienen zu den ökologisch und ökonomisch wichtigsten Lebewesen. Sie bestäuben die Blüten. Wespen halten aber auch Schädlinge im Zaum und dezimieren Insekten, die Krankheiten übertragen können. Trotzdem genießen sie ein wesentlich schlechteres Image und sind weitaus unbeliebter. "Wir leben seit langem in Harmonie mit Bienen zusammen und haben einige Arten domestiziert", so Studienleiterin Seiran Sumner vom University College London. Die Interaktionen zwischen Menschen und Wespen seien hingegen meist wenig harmonisch. Die Forscherin bringt ruinierte Picknicks und Wespennester als Beispiele.

Um das Image von Bienen und Wespen näher zu beleuchten, führte sie eine Umfrage mit rund 750 Personen aus 46 Ländern durch. Darin ging es um ihre Wahrnehmung von Insekten wie Schmetterlingen, Fliegen, Bienen und Wespen. Tatsächlich zeigte sich dabei die bereits vermutete universelle Ablehnung gegenüber Wespen. Gründe dafür seien wahrscheinlich mangelndes Interesse an Naturthemen und Unwissenheit über die ökologische Rolle der Tiere, heißt es im Fachblatt "Ecological Entomology". Schmetterlinge erhielten die höchste emotionale Bewertung, dicht gefolgt von Bienen. In der Gesamtwertung waren die Honigproduzenten jedoch am beliebtesten.

Neben der Befragung analysierte Sumner auch, wie es in den letzten Jahrzehnten um die Forschung über Bienen und Wespen stand. Auch hier zeigten sich die Wespen in Sachen Beliebtheit weit abgeschlagen. Von 908 untersuchten Fachpublikationen seit 1980 drehten sich 886 um Bienen und nur 22 um Wespen. Dieses Ungleichgewicht unterstütze vermutlich noch das negative Image. Es gebe offenbar wenig Bemühungen, die positive Rolle dieser Insekten im Ökosystem besser zu verstehen.

Die negative Einstellung gegenüber Wespen sei durch eine kleine Anzahl sozialer Wespenarten bestimmt, wie der Gemeinen Wespe und der Hornisse. Diese machen aber nur einen winzigen Bruchteil aller Wespen aus.

Durch den Rückgang von Bienenpopulationen und die weltweite Sorge um die Bestäubungsleistung, die damit verloren geht, genießen Bienen großes Interesse und Unterstützung. Allerdings geht auch der Bestand der Wespen zurück, die ebenfalls wichtige Bestäuber sind. Das Augenmerk sollte deshalb auf beide gelenkt werden, so die Forscher.