Cambridge/Wien. (sz) Säugetiere sind auf viele verschiedene Wege einzigartig. Nun haben Wissenschafter von der Universität Harvard in einer neuen Studie ein weiteres Merkmal identifiziert, das uns von anderen Lebewesen unterscheidet: der Aufbau unserer Wirbelsäule. Ohne besondere Regionen im Rückgrat hätte sich die Fortbewegung bei Säugetieren wahrscheinlich nicht auf so viele verschiedene Arten - laufen, fliegen, graben oder klettern - entwickeln können. Denn die meisten Arten von Echsen bewegen ihre Beine ähnlich und auch Vögel schwingen ihre Flügel meistens auf die selbe Weise.

"Bei den meisten vierbeinigen Tieren, wie Echsen, haben die Wirbel im Rückgrat alle die selbe Funktion und Gestalt", sagt Studienautorin Stephanie Pierce. "Aber das ist bei Säugetieren anders. Die verschiedenen Abschnitte - Hals-, Brust- und Lendenwirbel - haben jeweils sehr verschiedene Formen."

Änderung im Bauplan

Während das Rückgrat der Säuger zwar spezialisiert ist, wurde bisher angenommen, dass sie aus Regionen hervorgegangen sind, die auf die ältesten Landtiere zurückgehen. Nach dieser Idee sind auch die Wirbelsäulen anderer heute existierender Tiere, wie Reptilien, von diesen Vorfahren direkt geprägt. Säugetiere hätten im Vergleich zu anderen Lebewesen im Laufe der Evolution diese anatomische Vorlage nur angepasst aber nicht in ihrem wesentlichen Grundbauplan verändert.

Das konnten die Harvard-Wissenschafter jetzt widerlegen. Um die Unterschiede zwischen dem Rückgrat von Reptilien und Säugetieren zu erforschen, haben sie zahlreiche Fossilien aus Museen weltweit durchkämmt. Die Entdeckung: Vor 250 Millionen Jahren hat sich eine neue Region in der Wirbelsäule entwickelt, welche die heutige Entwicklung zur Vielfalt im Reich der Säuger angestoßen haben könnte.