Rochester. Mit etwas Hilfe kann ein Gelähmter wieder einige Schritte gehen. Mit diesem Erfolg sorgt ein Forscherteam an der Mayo Clinic in Rochester derzeit für Aufsehen. Mittels elektrischer Rückenmarkstimulation und 43 Wochen Rehabilitationstherapie konnte der Patient mit 331 Schritten 102 Meter zurücklegen. Für den Gang benötigte er allerdings einen Rollator und die Unterstützung an der Hüfte durch einen Therapeuten, wie die Mediziner im Fachblatt "Nature Medicine" berichten. Dort präsentierten sie auch ihre Technik.

Bei einer Querschnittlähmung ist das Rückenmark so stark beschädigt, dass die Signale aus dem Gehirn nicht mehr oder kaum an die Beine weitergeleitet werden. Mit der elektrischen Rückenmarkstimulation versuchen die Mediziner, die verletzte Stelle zu überbrücken. In dem in der Studie beschriebenen Fall war das Rückenmark nicht vollständig durchtrennt. Die Kombination von zwei unterschiedlichen Stimulationsmustern führte zum Erfolg.

Keine neurologische Heilung

"Nach unserem Wissen ist die Verwendung der elektrischen Rückenmarkstimulation während des aufgabenspezifischen Trainings, einschließlich Steh- und Schrittaktivitäten neu", schreiben die Forscher. Erforderlich seien nun weitere Untersuchungen mit einer größeren Zahl von Probanden, um deren Gültigkeit und Wirksamkeit zu bestimmen.

Der Effekt sei wissenschaftlich interessant, aber auch mit den Fortschritten könne der Patient nicht seinen Alltag meistern, kritisieren Kollegen. "Er kann mit viel Hilfe ein paar Schritte gehen - aber es gab keine neurologische Heilung", urteilt Jocelyne Bloch vom Centre Hospitalier Universitaire Vaudois in Lausanne. "Wir sollten wortwörtlich einen Schritt zurücktreten und die Ergebnisse in der Realität betrachten." Dennoch sei die Forschung ein guter Ansatz und weiterzuverfolgen.