Die Bestandteile selbst werden etwa über die Haut und Schleimhäute aufgenommen und lösen Duftimpulse am Riechnerv aus. Nach einer erfolgten Einreibung können die Inhaltsstoffe bereits nach 20 Minuten und bis zu drei Stunden lang im Blut nachgewiesen werden, erklärt Steflitsch. "Wenn ein Organsystem speziell behandelt werden soll, wird man die Anwendung so wählen, dass der Ort, wo die ätherischen Öle aufgenommen werden sollen, möglichst nahe dem betreffenden Organ ist." Will man die Stoffwechselaktivität, also die Leber, beeinflussen, werden vom Mediziner etwa Leberdunstwickel empfohlen und keine Inhalationen. Die Inhaltsstoffe der Extrakte seien auch so klein, dass sie die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Das ist jene Schranke zwischen Hirnsubstanz und Blutstrom, die den Stoffaustausch im Zentralnervensystem kontrolliert. Stoffe, die nicht dorthin gelangen sollen, werden üblicherweise am Durchtritt gehindert. Nicht immer erfolgreich.

Gut riechend statt bitter

- © yanadjan - stock.adobe.com
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Bei der Aromatherapie hat das einen "zusätzlichen, nützlichen Effekt", so Steflitsch. Mittels funktioneller Magnetresonanztomographie lässt sich feststellen, welches Öl welche Bereiche vom Gehirn aktiviert oder auch beruhigt. Aus der Grundlagenforschung sei bekannt, auf welche Neurotransmitter die Inhaltsstoffe Einfluss haben und damit etwa weniger Schmerzbotenstoffe oder mehr entzündungshemmende Stoffe gebildet werden. Die Dosierung und Art der Anwendung sollte mit Experten abgeklärt, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden.

Mittlerweile kommt die Aromatherapie in vielen Bereichen der Gesundheitspflege aber auch der Medizin zum Einsatz. Heilmasseure, Physiotherapeuten, Aromapraktiker, Hebammen, aber auch Ärzte wenden die Öle an, um für Wohlfühlen, Gesunderhaltung und die Bekämpfung von Krankheit zu sorgen. Medizin muss also nicht immer bitter sein, sie kann durchaus auch gut riechen.