Baltimore/Wien. Der ein oder andere wird wohl die in den kommenden zwei Wochen anstehenden zwei Feiertage dazu nützen, nicht nur das Wochenende zu verlängern, sondern mitunter auch einen Kurzurlaub anzutreten. Und wieder einmal wird die Auswahl beim besonders ausladenden, bunt angerichteten und mit allen Geschmäckern bestückten Frühstücksbuffet zur Qual der Wahl werden. Ob Eierspeis’, Käse, Lachs, Marmelade oder Pancakes mit Ahornsirup - das Gehirn hat ganze Arbeit zu leisten, wenn wir unsere Letztentscheidung treffen, was nun tatsächlich auf dem Teller landen soll. Das gilt im Übrigen auch beim Blick in die Speisekarte oder in den Kühlschrank.

Forscher der Johns Hopkins University haben eine spezifische Region in unserem Denkorgan entdeckt, die bei solchen Entscheidungen eine maßgebliche Rolle spielen könnte. Dieser Teil des Gehirns war bisher offenbar übersehen worden, wie die Neurobiologen um David Ottenheimer im Fachblatt "Nature Communications" berichten. Studien mit Ratten haben die Wissenschafter nun auf diesen Weg gebracht.

Sie wollten wissen, wie sich das Gehirn für Geschmack und Menge entscheidet, wenn verschiedene Speisen oder auch Getränke angeboten werden. Um das herauszufinden, setzten sie ihren Versuchstieren zwei ähnlich gezuckerte Getränke vor. Das eine süßten sie mit Saccharose, also Haushaltszucker, das andere mit dem aus Stärke gewonnenen Maltodextrin. Es war zu beobachten, dass die Tiere am Zuckergetränk wesentlich schneller schleckten.

Das "emotionale Gehirn"

Über einige Tage hinweg verabreichten sie ihnen abwechselnd diese zwei Gemische. Währenddessen beobachteten sie die Gehirnaktivität der Ratten - vor allem genau zu jenem Zeitpunkt, als sie realisierten, was ihnen gerade vorgesetzt wurde. Dabei konnten sie sowohl ihre Begeisterung für Zucker als auch ihre Enttäuschung über Maltodextrin sichtbar machen.

In weiterer Folge stellten die Forscher die Tiere vor die Wahl. Sie konnten zwischen einem Maltodextrin-Drink oder purem Wasser entscheiden. In diesem Fall feuerten die Nervenzellen beim gesüßten Getränk genauso heftig wie zuvor bei der zuckrigen Lösung. Es scheint so zu sein, dass dieses Gehirnareal kontextabhängige Entscheidungen trifft, je nachdem welche Option im Moment die bessere darstellt, erklären die Forscher.

Die aktiven Neuronen sitzen im sogenannten ventralen Pallidum, einer Region im limbischen System - dem "emotionalen Gehirn". Kurzzeitig war dieses mit Belohnung und Zufriedenheit in Verbindung gebracht worden. Ihm wurde aber offenbar fälschlicherweise nicht sehr viel Bedeutung beigemessen. Der nächste Schritt wird sein, herauszufinden, was das Signal in diesem Teil des Gehirns tatsächlich bedeutet. Wird es dazu verwendet, die Futtersuche aktiver zu gestalten und um sich an einem weiteren ähnlichen Ereignis wieder erfreuen zu können? Oder unterstützt es direkt bei künftigen Entscheidungen, wenn wir wieder einmal vor der Wahl stehen, welche Nahrung sich am meisten lohnt?

Schlüssel zu gesunder Nahrung

"Unsere Daten lassen vermuten, dass das ventrale Pallidum in der Forschung noch eine größere Rolle spielen wird, wenn es um das Verständnis geht, wie wir kulinarische Entscheidungen treffen", betont Ottenheimer. "Wenn wir herausfinden wollen, warum eine Speise Begeisterung erwecken kann und eine andere Enttäuschung, dann könnte diese Gehirnregion der Schlüssel dazu sein." Die Entdeckungen könnten letztlich auch dazu beitragen, neue Strategien oder sogar Therapien zu entwickeln, die den Menschen dazu ermutigen, sich gesund zu ernähren.