Linz. Eine Lunge aus dem Reagenzglas klingt utopisch. Der aus Tirol stammende Harvard-Professor Harald Ott beschäftigt sich seit zehn Jahren in seinem Labor in Boston mit der Entwicklung biologischer Ersatzorgane als Alternative zu Spenderorganen wie auch etwa der Lunge. "Wir haben ein Verfahren entwickelt, das es möglich macht, mit einer speziellen Lösung ein Organ einer Ratte oder eines Schweins aber auch eines verstorbenen Menschen komplett von seinen Zellen zu befreien. Was übrig bleibt, ist ein Bindegewebe-Gerüst, das wir zum Beispiel mit Lungenzellen des künftigen Organempfängers besiedeln", berichtete Ott bei der Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie in Linz.

"Das Ziel ist, dass ein so geschaffenes Organ voll funktionsfähig ist und anstelle einer Spenderorgans transplantiert werden kann. Der enorme Vorteil: Da es sich um körpereigene Zellen des Empfängers handelt, gibt es keine Abstoßungsreaktionen", so der Experte. Weltweit werden pro Jahr etwa 5000 Lungen transplantiert. Weltweit sterben pro Jahr aber mehr als drei Millionen Menschen an den Folgen einer chronischen Lungenerkrankung. Die Wartezeiten für eine Spenderlunge können sich über Jahre erstrecken. Als wohl berühmtester Lungentransplantierter gilt aktuell die Formel-1-Legende Niki Lauda.

Noch nicht ausgereift

Die im Ott Laboratory for Organ Engineering and Regeneration geschaffenen Reagenzglas-Lungen haben aber derzeit ein noch nicht ausgereiftes und damit undichtes Gefäßsystem. "Wir arbeiten daran, die Organe im Labor für die Implantation besser vorzubereiten und so die Funktion zu trainieren. Als Alternative entwickeln wir Strategien, die es uns ermöglichen, das Organ im Körper reifen zu lassen, während wir seine Funktion für diesen Zeitraum maschinell ersetzen", schilderte Ott den Stand der Forschung.