Wien. Laut Mercer-Studie und "Economist"-Ranking ist Wien die lebenswerteste Stadt der Welt. Das wissen mittlerweile alle Wiener. Dass aber Wien auch über den besten Hundekot verfügt, ist neu: Laut einer aktuellen Studie der Veterinäruniversität Wien enthält das "Gackerl" der Wiener Hunde nämlich weniger Parasiten als das der Hunde aus dem ländlichen Raum. Auch im europäischen Vergleich habe Wien diesbezüglich die Nase vorn. Der Grund: Die rasche Entsorgung des Gackerls per Sackerl sorge dafür, dass sich die Parasiten nicht verbreiten können, wird vermutet.

In Wien landen täglich mehr als 60.000 Hundekot-Sackerl in den Mistkübeln. Das ergibt mehr als 1200 Tonnen Hundekot im Jahr. Dass sich im Hundekot zahlreiche Krankheitserreger befinden können, war Grund genug für Frank Künzel von der klinischen Abteilung für Interne Medizin, Barbara Hinney und Anja Joachim vom Institut für Parasitologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, eine Studie zu initiieren. Sie ermittelten, welche Endoparasiten ("Innenparasiten") der Wiener Hundekot enthält.

Das Ergebnis stellt dem Hundekot aus Wien ein gutes Zeugnis aus. Denn angesichts der geringen Parasitenanzahl im Hundekot liegt Wien europaweit im Spitzenfeld - gemeinsam mit Finnland, wie Barbara Hinney im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erklärte.

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Zwar gebe es keine wirklich vergleichbaren Studien - die meisten in Europa durchgeführten seien nicht repräsentativ. Hinney zufolge sind aber im Wiener Hundekot sechs Prozent Parasiten gefunden worden, in Pisa waren es 31 Prozent, in Paris 25 Prozent und in Prag 17,6 Prozent.

1000 Kotproben untersucht

Für die Studie sammelte das Forscherteam mehr als 1000 anonyme Kotproben aus 55 Hundezonen aus allen 23 Bezirken, indem Kot von ausgewählten Hundezonen vom Boden bzw. aus den an den Hundezonen angrenzenden Mistkübeln entnommen wurde. Weitere 480 Kotproben wurden in Mödling und Wolkersdorf gezogen, um Daten für Regionen mit stadtnahem bzw. ländlichem Charakter zu gewinnen.

In der Studie wurde auch der Frage nachgegangen, ob die Dichte der Hundepopulationen und die Sauberkeit der Hundezonen mit dem Auftreten von Parasiten in Zusammenhang stehen. Das Ergebnis: Kot, der nicht vom Besitzer entsorgt wurde, enthielt häufiger Parasiten als jener, der per Sackerl entsorgt wurde. "Dies könnte wohl mit dem unterschiedlichen Hygienebewusstsein der Hundehalter zusammenhängen", sagte Hinney. Eine hohe Hundedichte stand in der untersuchten Hundepopulation hingegen in keinem Zusammenhang mit einem höheren Endoparasitenbefall, so die Studie.