Wien. Der WWF sieht die Zahl der bedrohten Tierarten in seiner Jahresbilanz für 2018 auf "schrecklichem Rekordniveau". Seit 1970 schrumpften laut einer Aussendung der Naturschutzorganisation die weltweit untersuchten Tierbestände um durchschnittlich 60 Prozent. Dank diverser Schutzmaßnahmen konnten allerdings auch punktuelle Erfolge erzielt werden.

Klimakrise, Lebensraumzerstörung, Wilderei und immer mehr Plastikmüll setzten den Tierarten auch 2018 wieder zu. "Wir Menschen vernichten wertvolles Naturkapital und sägen am Ast, auf dem wir sitzen. Ohne vielfältige, vitale Ökosysteme können wir nicht überleben", warnte Karim Ben-Romdhane, Experte für internationalen Artenschutz beim WWF Österreich. Er betonte, dass umgehend Verantwortung übernommen werden müsse, bevor es zu spät sei.

Zu den größten Verlierern des Jahres zählten Bewohner von arktischen Gefilden. Der Lebensraum von Eisbär, Ringelrobbe und Co schrumpfte abermals. Im vergangenen Oktober erreichte das Packeis des zugefrorenen Polarmeeres seine drittgeringste Ausdehnung seit 1979. Somit verblieb den Eisbären auch heuer wenig Zeit, um auf dem Eis zu jagen und sich Fettreserven für den Sommer anzufressen. Abhilfe könnten laut WWF nur eine starke Reduktion der CO2-Emissionen und ein strenger Schutz der Arktis schaffen.

Aber auch auf anderen Erdteilen sind vom WWF "gekürte" Verlierer im Kampf gegen das Aussterben zu finden. Etwa auf der indonesischen Insel Sumatra: Dort wurde erst im November 2017 der Tapanuli-Orang-Utan entdeckt. Er stellt mit seinen 800 verbliebenen Vertretern den seltensten Menschenaffen der Erde dar. Plantagen, Goldminen und ein geplanter Staudamm nagen am verbliebenen Lebensraum von lediglich rund 1.000 Quadratkilometern.

Weitere bedrohliche Entwicklungen traten im Jahr 2018 in Zusammenhang mit der mongolischen Saiga-Antilope, dem Amazonas-Flussdelfin und vielen Land- und Wasserschildkrötenarten auf. Von der Yangtze-Riesenweichschildkröte existieren beispielsweise nur noch drei Vertreter.

Doch es gab auch positive Entwicklungen. Der Bestand der westpazifischen Grauwale hatte sich zuletzt etwas erholt, bleibt mit geschätzt 100 bis 150 Tieren aber nach wie vor auf niedrigem Niveau. Zurückzuführen sei der Erfolg für den WWF auf Fangverbote und Lebensraumschutz. So wurde bei der Tagung der Internationalen Walfangkommission 2018 sehr zur Freude des WWFs gegen einen Antrag Japans auf Lockerung des Jagdmoratoriums entschieden.

Zu weiteren Gewinnern des Jahres 2018 ernannte der WWF den Tiger, den Berggorilla und den Tüpfelbeutelmarder. Sie alle verzeichneten Zuwächse, sind aber nach wie vor stark bedroht. Ein "Gewinner aus falschen Gründen" war der Bienenfresser. Diese Vogelart konnte sich aufgrund der Folgen der Klimakrise neue Lebensräume erschließen. War der bunte Vogel früher in Österreich extrem selten, so brüten hierzulande mittlerweile mehr als 2.000 Paare.

Der WWF-Experte Ben-Romdhane schloss aus den zum Teil positiven Entwicklungen, dass Maßnahmen zum Erhalt der Arten funktionieren würden. "Sie können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch ein steiniger Weg vor uns liegt, wenn wir den Planeten und die Artenvielfalt erhalten wollen", dämpfte der Experte die Freude.