Das Sagen scheinen hier die Männchen zu haben. - © Oliver Höner/Leibniz-IZW
Das Sagen scheinen hier die Männchen zu haben. - © Oliver Höner/Leibniz-IZW

Berlin. Als die Tüpfel-Hyänen sich im Ngorongoro-Krater im Norden Tansanias begegnen, ist sofort klar, wer das Sagen hat. Eines der Tiere wirkt völlig unterwürfig: Es hat den Schwanz eingeklemmt, die Ohren liegen nach hinten, der Kopf ist leicht gesenkt und die Zähne schimmern zwischen den zurückgezogenen Lefzen. Seine beiden Gegenüber drücken genau das Gegenteil aus. Man könnte meinen: Hier stehen die Bosse. Dieser Eindruck ist zwar richtig, passt aber nicht so recht in das unter Zoologen gängige Bild der Tüpfel-Hyänen-Gesellschaft, in der Frauen-Power die Regel scheint und die Männchen wenig zu sagen haben. Nur ist das unterwürfige Tier ein Weibchen, während beide Bosse Männchen sind. Haben also vielleicht doch die Verhaltensforscher recht, die bei Säugetieren häufig die Männchen in der Führungsebene sehen?

Weibchen in der Führungsrolle

Beispiele wie die Gorillas, bei denen normalerweise ein starkes Männchen einen eigenen Harem hat, unterlegen diese Theorie ja recht klar. Nur gibt es eben auch gute Gründe, aus denen die Evolution in Fällen wie bei den Elefanten, den Schwertwalen oder eben den Tüpfel-Hyänen Weibchen an der Spitze der Hierarchie bevorzugt. Jedoch müssen Verhaltensforscher schon genauer hinschauen, um diese Gründe aufzudecken und zu erklären. "Genau das haben wir getan", sagt Oliver Höner vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Seit April 1996 beobachtet er im Ngorongoro-Krater acht Hyänen-Gruppen. Seither untersuchte er mit Kollegen eine ganze Reihe von Möglichkeiten, mit denen die Weibchen sich ihre Führungsrolle sichern. So sind sie nicht nur größer als die Männchen, sondern haben auch eine stark vergrößerte Klitoris, die beinahe die Größe eines Penis erreicht. Obendrein verlangt deren Form den Männchen im entscheidenden Moment einen sehr schwierigen Balanceakt auf dem Rücken der Weibchen ab. Die Weibchen sind Herrinnen des Geschehens - und können sich ihren Partner einfach aussuchen.

Viel wichtiger als solche Äußerlichkeiten aber scheint das Sozialleben. Den Hinweis lieferten die 4133 Konflikte zwischen den Hyänen: Je besser und dichter sein Geflecht aus Beziehungen ist, umso höher steigt ein Tier in der Hierarchie. Die richtigen Verhaltensweisen lernt der Nachwuchs von seiner Mutter. Das wiederum macht die Hierarchie der Tüpfel-Hyänen ähnlich wie eine absolutistische Erbmonarchie bei uns Menschen relativ starr. Weil der Nachwuchs der Clan-Chefin das Verhalten der Oberschicht von Kindesbeinen an lernt und perfekt beherrscht, kann er sich gut im Establishment halten. Das System funktioniert recht zuverlässig: "Alternde Clan-Chefinnen geben zum Beispiel das Zepter oft friedlich an ihre Töchter ab", erklärt Höner.