Tampa/Washington. Der Nasa-Sonde "New Horizons" ist das am weitesten von der Erde entfernte Rendezvous mit einem Himmelskörper geglückt. Rund zehn Stunden danach bekam die US-Raumfahrtbehörde Nasa am Dienstag das Signal, dass der Vorbeiflug am rund 6,5 Milliarden Kilometer entfernten Objekt Ultima Thule erfolgreich absolviert wurde.

Die 2006 von Florida aus gestartete Sonde befinde sich nach wie vor in gutem Zustand, teilte die Nasa mit. "New Horizons" flog mit rund 51.500 Kilometern pro Stunde in rund 3.500 Kilometern Abstand an Ultima Thule im sogenannten Kuipergürtel vorbei. Niemals zuvor hat sich ein menschliches Objekt einem derart weit entfernten Himmelskörper genähert. Forscher erhoffen sich von Daten der Sonde Erkenntnisse über die Entstehung von Planeten. Ultima Thule ist einzigartig, weil es ein Relikt aus den ersten Tagen des Sonnensystems ist und Antworten auf den Ursprung anderer Planeten geben könnte. Ultima Thule wurde 2014 mit der Hilfe des Weltraumteleskops Hubble entdeckt. Forscher wissen bisher noch nicht, wie Ultima Thule aussieht - ob es Krater gibt, die Oberfläche eher glatt ist, aus einem Objekt oder mehreren besteht.

Erste Bilder, neue Rekorde

Die Nasa veröffentlichte ein verpixeltes und verschwommenes Bild, das aus einer Entfernung von knapp zwei Millionen Kilometern aufgenommen wurde. Dieses fasziniert Forscher, weil es ein eher lang gezogenes Weltraumobjekt zu zeigen scheint und kein rundes. Die Sonde "New Horizons" sollte bei ihrem nur wenige Sekunden langen Vorbeiflug von Ultima Thule rund 900 Bilder machen. Diese klareren Bilder sollen in den nachfolgenden drei Tagen eintreffen. "New Horizons" hatte bereits 2015 spektakuläre Fotos des Zwergplaneten Pluto geliefert.

Einen weiteren Rekord stellte die Sonde "Osiris Rex" auf, die in eine extrem nahe Umlaufbahn um den Asteroiden Bennu einschwenkte. Sie kreist seit Montag in 1,75 Kilometer Entfernung vom Asteroidenkern um Bennu. So dicht habe sich nie zuvor ein Raumfahrzeug seinem Untersuchungsobjekt angenähert, teilte die Amerikanische Astronomische Gesellschaft mit. Wenn alles nach Plan läuft, wird sich die etwa sechs Meter lange und 2.100 Kilogramm schwere Sonde im Jahr 2020 Bennu so weit nähern, dass sie eine Probe von 60 bis 2.000 Gramm aufsaugen kann. 2023 soll eine Kapsel mit der Probe zur Erde zurückkehren. Von der rund eine Milliarde Dollar teuren Mission erhofft sich die Nasa Erkenntnisse über die Entstehung unseres Sonnensystems.

Der tiefschwarze Bennu könnte der Erde in mehr als 150 Jahren recht nahe kommen. Auch wenn das Einschlagrisiko sehr gering ist, zählt die Nasa Bennu zu den gefährlichsten derzeit bekannten Asteroiden.