Genau deswegen arbeiten wir mit Schulen und organisieren Führungen. Wir haben keine Spokesperson in unserem Fach - keinen Mister Chemistry oder keine Misses Chemistry, wie es etwa der Nobelpreisträger Richard Feynman für die Physik ist. Es ist auch in der Community nicht sehr angesehen, nach außen zu kommunizieren. "Hast du nicht genug zu tun?", bekommt man zu hören. Selbstverständlich, es kostet Stunden an Vorbereitung. Und am Ende bekommt man kein höheres Gehalt, keinen Preis - jetzt schon (lacht).

Ihr Lebenslauf verrät, dass Ihr erster Weg nicht die Chemie war.

Ich habe ein Studium als Konzertpianist abgeschlossen. Doch die Musik ist hart und noch dazu sehr einsam. Es ist einfacher, Profi-Chemiker und Amateurmusiker zu sein als umgekehrt. Dennoch haben Musik und Wissenschaft viel gemeinsam. Deshalb halte ich auch Vortragskonzerte, wie etwa "Chemie trifft Chopin". Dabei gibt es neben den Klavierstücken immer wieder kleine Erklärungen und Geschichten zu meinem Fach.

Warum aber gerade Chemie?

Die wahre Geschichte dazu ist nicht romantisch. In Portugal darf man sechs Studienrichtungen nach Priorität reihen. An erste Stelle habe ich Medizin gesetzt, doch den Numerus clausus nicht geschafft. Die weitere Reihung hatte ich beliebig vorgenommen. Als das Ergebnis kam, konnte ich mich gar nicht mehr daran erinnern. Und so war Chemie die Rettungsalternative. Bei der ersten Vorlesung zur Organischen Chemie wusste ich sofort: "Das ist etwas für mich." Es gibt eine künstlerische Perspektive für die Organische Chemie, weil wir unsere Strukturen wie Kunst malen. Dies hat vielleicht die künstlerischen Punkte in meiner Seele berührt.

Einer Ihrer Forschungsschwerpunkte an der Uni Wien ist die Organische Synthese. Was ist das?

Wir suchen nach neuen Verbindungen. Was wir machen, vergleiche ich gerne mit dem Bau eines Hauses. Man muss die Backsteine zusammensetzen. Wir bauen Häuser im submikroskopischen Bereich. Wir können es nicht sehen, müssen uns aber auch um neue Bauteile kümmern - und um neue Reaktionen, damit die Bausteine zusammengesetzt werden können. In einem aktuellen Projekt suchen wir nach organischen Molekülen für die Lack-Produktion. Ein Ziel für die Zukunft sind intelligente Coatings, sie sich selbst regenerieren. Dazu zählen Polymere mit besonders starken Wechselwirkungen innerhalb ihrer Schichten, die sich etwa bei Kratzern in Autolacken selbst reparieren. Ein weiteres Projekt ist die Suche nach Molekülen aus nachhaltigen und erneuerbaren Rohstoffen, die für Polstermaterialien eingesetzt werden können. Dabei handelt es sich um dieselben Moleküle für Polyurethane, die man aus Mineralöl gewinnt. Zu den interessantesten Rohstoffen zählt etwa Abfall aus der Landwirtschaft.

Schauen Sie sich komplexe Prozesse auch aus der Natur ab?