Recht tief über dem Südhorizont wacht der Große Hund. An seinem Hals glänzt der aus irdischer Perspektive hellste aller Fixsterne, der Sirius. Zieht die Sonne durch die benachbarten Sternbilder, ertrinkt freilich auch dieser "Hundsstern" im Himmelsblau. Einige Wochen später taucht er frühmorgens wieder im Osten auf.

In altägyptischer Zeit fiel diese alljährliche Wiederkehr mit dem Einsetzen der eminent wichtigen Nilüberschwemmung zusammen. Daher brachten die Ägypter dem Sirius besondere Verehrung entgegen. Die Griechen machten den "Hundsstern" hingegen für die unerträgliche Sommerhitze verantwortlich, nannten den Hitzschlag "siriasis". Die Römer prägten den bis heute gebräuchlichen Begriff "Hundstage" für die Zeit der allergrößten Hitze – ebenfalls in Anspielung auf den Sirius.

Mit seiner doppelten Sonnenmasse leuchtet der Sirius in Wahrheit 25 mal kräftiger als unsere Sonne. Sein Licht schießt 8,6 Jahre unbeschadet durchs Vakuum des Weltraums. Doch in der letzten hunderttausendstel Sekunde wird es von der Erdatmosphäre entschleunigt. Es muss zahlreiche kleine Wirbel aus kühleren und wärmeren Luftmassen durchqueren. Die bremsen das Licht – je nach ihrer Temperatur – unterschiedlich stark: Brechungen entstehen. Es ist, als schöbe ein hochnervöser Optiker fortwährend Stapel schwacher Brillengläser zwischen uns und das All. Deshalb flimmern, blinken und funkeln die stellaren Lichtpunkte.

Beim hellen Sirius fällt das chaotische Wechselspiel besonders auf. Es prägt seinem Glanz in hektischer Folge rötliche, gelbliche, grünliche oder bläuliche Tönungen auf. Der Stern wird von einem Begleiter umkreist, der vor 125 Millionen Jahren ausbrannte und zum Weißen Zwerg verkam. Sirius wird dereinst das gleiche Schicksal erleiden. Noch aber überstrahlt er seinen kleinen Kompagnon ums 10.000-Fache. Daher sind Teleskope von mindestens 20 Zentimetern Öffnung nötig, um das ungleiche Paar zu trennen.

Tendenz zur Paarbildung

Noch schwerer fällt das beim Procyon, dem Hauptstern des Kleinen Hundes. Auch diese elf Lichtjahre entfernte Sonne kennt einen zwergenhaften Begleiter. Den Griechen galten Kleiner und Großer Hund übrigens als vierbeinige Jagdgefährten des Orion.

Einst nahm Zeus die Gestalt eines weißen Schwans an und verführte die Leda. Am selben Tag wurde sie auch noch von ihrem Gatten, dem König von Sparta, schwanger. So gebar sie Zwillinge: den unsterblichen Pollux und den sterblichen Castor. Als Castor im Kampf getötet wurde, wollte Pollux auf seine Unsterblichkeit verzichten und dem geliebten Bruder in die Unterwelt folgen. Das rührte Zeus. Die beiden durften zusammenbleiben und weilen seither einmal im Totenreich, dann aber wieder im Olymp. Das Tierkreissternbild Zwillinge erinnert an sie.

Die beiden ähnlich hellen Hauptsterne tragen die Namen der Brüder. Bei genauem Hinsehen glänzt Pollux, der Zeussohn, eine Spur kräftiger. Dafür entpuppt sich Castor schon im kleinen Fernrohr als hübscher Doppel- oder Dreifachstern. In Wirklichkeit kreisen hier sogar sechs Sterne jeweils paarweise umeinander. Im All herrscht generell eine Tendenz zur Paarbildung. Einzelkinder wie unsere eigene Sonne sind eher die Ausnahme – so wie bei den Menschen auch.