In Roten Zwergen mit weniger als einem Drittel der Sonnenmasse brodelt es wie in einem Kochtopf: Heiße Materie steigt auf, kühle sinkt ab. So können diese Winzlinge den zentralen Fusionsreaktor fortwährend mit Wasserstoff aus der Hülle versorgen und ihren gesamten Treibstoffvorrat nützen. Seit das Universum existiert, sollte noch kein einziger dieser Sparmeister verloschen sein. Rote Zwerge werden noch glühen, wenn alle anderen Sonnen längst Geschichte sind.

Wie eine Erbse, die zum Tennisball anschwillt

Einen anderen Weg schlagen sonnenähnliche Sterne mit einem Drittel bis acht Sonnenmassen ein. Denn hier ist der Druck aufs Sternzentrum deutlich größer. Deshalb muss dort mehr Energie erzeugt werden, um die Hülle ja nicht einbrechen zu lassen. Der Treibstoff erschöpft sich entsprechend rasch. Das im Kern angesammelte Helium verschmilzt dort weiter zu Kohlenstoff; Sauerstoff entsteht ebenfalls. Dank der hohen Zentraltemperatur setzt das Wasserstoffbrennen jetzt außerdem in einer kernnahen Hüllenschicht ein. Der Stern hat einen zweiten Reaktor hochgefahren. Es ist, als würde eine Erbse auf die Größe eines Tennisballs anschwellen: Die stark gestiegene Strahlung treibt die Gashülle gigantisch auseinander. Deshalb sendet der Stern nun mehr Licht aus als zuvor – obwohl sein Antlitz beim Expandieren auf 3000 Grad abgekühlt ist. Er ist zum weithin sichtbaren Roten Riesen mutiert. Unsere Sonne wird dieses Stadium im Alter von elf Milliarden Jahren durchlaufen und dann bis zur heutigen Erdbahn reichen.

Oft beginnt ein alternder Stern ein wenig zu pulsieren und seine Leuchtkraft rhythmisch zu verändern. Seine äußersten Gasschichten sind dünn und spüren die Schwerkraft kaum. Der Sternwind bläst sie weg. Immer mehr Hüllengas wird abgeworfen. Es formt konzentrische Kugelschalen um den sterbenden Stern und bildet so einen "Planetarischen Nebel" – ein alter, höchst unglücklicher Begriff.

In der Mitte dieses Nebels ruht nun ein Weißer Zwerg. Das ist der freigelegte Kern des einstigen Roten Riesen. Fusionsprozesse spielen sich darin nicht mehr ab; stattdessen kühlt die anfangs noch zigtausende Grad heiße Oberfläche im Lauf der nächsten Jahrmilliarden aus. Die kugelförmige "Leiche" aus Kohlenstoff und Sauerstoff ist kaum größer als die Erde. Dennoch drängt sich dort noch gut eine halbe Sonnenmasse zusammen. Jeder Fingerhut davon wäre auf Erden schwer wie ein Kleinlastwagen. 

Mitunter kehrt ein Weißer Zwerg noch einmal kurz ins Leben zurück. Und zwar dann, wenn er in allzu intimem Abstand um einen Roten Riesen kreist. Dann stiehlt er dem Hünen etwas Hüllengas und hortet es auf seinem eigenen, ultraheißen Zwergenantlitz. Ist genug Diebesgut beisammen, verschmilzt der geraubte Wasserstoff plötzlich zu Helium. Die oberflächliche Kernfusion lässt den Gnom ein paar Wochen lang kräftig aufleuchten: Eine Nova erstrahlt.