Die Römer tauften die Planeten des Sonnensystems nach ihren Göttern. Mars ist der Kriegsgott, sein höchster Berg Olympus Mons der Sitz der Götter. Venus ist die die Göttin der Schönheit. Merkur rast als Götterbote durchs All. Jupiter ist nach dem Göttervater benannt, da er als größter Planet am hellsten erscheint.

Die mythische Namensgebung hielt sich: Der Erfinder des Fernrohrs, Galileo Galilei, beobachtete 1612 Neptun, hielt ihn aber für einen Fixstern. Erst der französische Mathematiker Urbain Le Verrier errechnete 1846 seine Bahn. Da "Le Verriers Planet" nur in Frankreich Gefallen fand, schlug dieser in alter Tradition den römischen Wassergott Neptun vor. Amateur-Astronom Wilhelm Herschel wurde durch die Entdeckung des Uranus zum Berufsastronomen. Es entstand eine 60 Jahre dauernde Debatte um dessen Benennung. Herschel war für Georgium Sidus zu Ehren des englischen Königs Georg III., doch 1850 setzte sich Saturns Vater Uranus durch.

Im siebenten Jahrhundert wich das Oströmische Reich vor der arabischen Expansion zurück. Die Araber übernahmen wissenschaftliche Zentren von Byzanz. Während in Europa dunkelstes Mittelalter herrschte, kartierten arabische Astronomen den Himmel. Neben griechisch-römischen Namen für Planeten, Sterne und Galaxien (Andromeda, Kassiopeia) bürgerten sich Bezeichnungen wir Aldebaran ("der Nachfolgende") für den Zentralstern des Sternbilds Stier ein und Beteigeuze ("Hand der Riesin") für einen Stern vom tausendfachen Durchmesser unserer Sonne im Orion. Die Araber veränderten antike Namen. Als sie mit der Eroberung Spaniens ihr Wissen wieder zurück nach Europa trugen, wurden Übersetzungsfehler gemacht.

Um etwas Prosa in das mythisch-poetische Chaos zu bringen, erarbeitete die Internationale Astronomische Union (IAU) ab 1919 systematische Benennungssysteme. Heute ist die Behörde mit Sitz in Paris die Namensgebungsautorität für Himmelsobjekte. Die Aktivität privater Firmen, die ihren Kunden "einen Stern, der deinen Namen trägt" verkaufen, schlägt sich dort aber nicht zu Buche.

Mit immer lichtstärkeren Teleskopen wurden immer mehr astronomische Objekte sichtbar. Die IAU führte Katalog-Bezeichnungen ein. Anfangs waren das beliebige Nummern und Kombinationen von Sternbildnamen mit griechischen Buchstaben. Heute werden fast täglich neue Himmelskörper entdeckt. Allein am sichtbaren Nachthimmel brauchen zwei Billionen Galaxien, deren Sonnen, Monde, Sterne, Asteroiden und Kometen Namen. Computer erstellen mit Daten von hochauflösenden Teleskopen moderne Kataloge. Anhand der Positionen am Himmel verteilen sie Buchstaben-Nummern-Kombinationen mit auf sperrige Weise präzisen Ergebnissen. Die Bezeichnung "SDSSp" etwa verweist auf ein "preliminary object" im "Sloan Digital Sky Survey", die Nummer J153259.96-003944.1 auf die Himmelskoordinaten.