New Haven/Wien. (gral) Was ist das? Diese Frage stellten sich im Jahr 2017 Astronomen weltweit, als sich ein zigarrenförmiges Etwas aus einem anderen Sonnensystem seinen Weg an der Erde vorbei bahnte. Entdeckt wurde das "Oumuamua" (hawaiianisch für "Botschafter aus der Ferne") genannte Objekt, als es dabei war, unser Sonnensystem wieder zu verlassen. Die Astronomen hatten gerade noch Zeit, seine Bewegungen mit Teleskopen zu vermessen. Ein Asteroid, ein Komet oder ein interstellares Raumschiff?, lautete die Frage anschließend.

Im Juni 2018 waren sich Forscher der europäischen Raumfahrtagentur ESA sicher, dass es sich dabei um einen Kometen handelt. Analysen aus der Flugbahn des interstellaren Gastes hatten sie auf ihr Urteil gebracht. Mittlerweile haben Forscher auch vier mögliche Heimatsterne gefunden. Wissenschafter verfolgen die Flugbahn von Oumuamua bis zu 6,3 Millionen Jahre zurück. Im Jahr 2021 sollen Datensätze zu weiteren mehreren Millionen Sternen veröffentlicht werden, die genauere Rückschlüsse auf die Herkunft des mehrere hundert Meter langen interstellaren Besucher zulassen könnten. Da das Objekt Eigenschaften sowohl von Kometen als auch Asteroiden besitzt, sind sich die Forscher über die genaue Definition allerdings nach wie vor nicht so ganz einig.

Billionen ähnlicher Objekte

Derweil betonte der Astronom Greg Laughlin von der Yale University beim 233rd Meeting of the American Astronomical Society, Oumuamua sei nicht so besonders wie bisher gedacht. Tatsächlich würden mehrere Billionen solcher Objekte durch unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße, reisen. Speziell sei lediglich, dass es sich dabei um den ersten gesichteten interstellaren Gast handelt. "Bisher hatten wir alle nur nicht gut genug Ausschau gehalten", betonte Greg Laughlin in seinem Vortrag.