Berkeley. (gral) Kurz bevor der Nasa-Orbiter Cassini im September 2017 in der Atmosphäre des Saturns verglüht war, absolvierte er noch eine seiner allerletzten Aufgaben: Die Erkundung jenes Bereichs, der zwischen dem Planeten und seinen Ringen liegt. Die Daten erlauben es Wissenschaftern nun, Auskunft über das Verhalten jenes Materials zu geben, aus dem die Ringe gebildet sind, wobei die Gravitation bei der Messung eine große Rolle spielt. Aufgrund der Ergebnisse gehen die Forscher davon aus, dass die kreisförmigen Materieschichten noch relativ jung sind - nämlich jünger als der Planet selbst. Sie könnten vor weniger als 100 Millionen Jahren entstanden sein, möglicherweise sogar erst vor rund 10 Millionen Jahren, berichtet das Team um Burkhard Militzer von der University of California in Berkeley im Fachmagazin "Science".

Den Forschern zufolge befindet sich nahe dem Äquator noch eine Schicht, von der man ausgegangen war, dass sie sich wie die Wolken in der Erdatmosphäre verhalten. Hingegen sei diese wesentlich massiver. Zudem würden sich die Ringe unterschiedlich schnell drehen. Die Wolkenschicht benötigt für eine Umdrehung 10 Stunden und 33 Minuten, die Schicht darüber neun Minuten länger.

Spektakuläre Mission

"Als wir zum ersten Mal die Daten sahen, konnten wir es nicht glauben. Ich habe unseren Modellen vertraut und es dauerte eine Zeit lang, zu verstehen, dass es einen Effekt gibt, der das Gravitationsfeld beeinflusst", betont Militzer. Das Herz des Planeten muss im Übrigen die 15- bis 18-fache Masse der Erde fassen. Dies stimme wiederum mit früheren Schätzungen überein. Die Messungen waren nur möglich, weil Cassini in seinen letzten Stunden dem Saturn so nahe gekommen war. Demnach sei das Ende der Mission "spektakulär" gewesen.