WoodsHole/Wien. (gral) Kaiserpinguine leben in einer der wohl unwirtlichsten Gegenden des Erdballs - in der rauen Eiswelt der Antarktis. Gerade für die Jüngsten unter ihnen sind die Bedingungen besonders harsch. Zudem werden sie schon im Alter von fünf Monaten von ihren Eltern sich selbst überlassen. Sie verlassen dann ihre Kolonie, um selbständig Schwimmen, Tauchen und die Futtersuche zu erlernen. Erstmals konnte ein Forscherteam ihre Verhaltensweisen in den kritischen ersten Monaten aufzeigen und berichtet darüber im Fachblatt "Marine Ecology Progress Series".

Wissenschafter des Centre d’Etudes Biologiques de Chizé in Frankreich markierten im Dezember 2013 insgesamt 15 Küken in Terre Adélie, bevor sie flügge wurden. Zu dieser Zeit beginnt sich das Wasser zu erwärmen, das Eis bricht auf und bringt offene Wasserstellen hervor. Die Sender zeichneten die Bewegungen und mehr als 62.000 Tauchgänge der Tiere auf. Die Jungtiere bewegten sich demnach weit in den Norden, um wärmeres Gewässer für ihre ersten Schwimmübungen zu erreichen. "Das lernen sie nicht von ihren Eltern. Sie sind ungeschickt und unsicher, wenn sie zum ersten Mal ins Wasser gehen", erklärt Sara Labrousse von der Woods Hole Oceanographic Institution. Je mehr Erfahrung sie erwerben, umso eher bewegen sie sich Richtung Süden auf die Meereisfläche, wo sie auch die Wintermonate verbringen. Die Tauchgänge werden dann immer tiefer, um eine Wasserschicht zu erreichen, die Thermokline genannt wird. Dort treffen wärmere und kältere Wassermassen aufeinander. Hier dürfte auch die meiste Beute zu finden sein.

In einem nächsten Schritt soll erforscht werden, wie viele Jungtiere in der Zeit sterben, um erstmals Aufschluss über die Überlebensrate zu haben. Die Forscher hoffen, mit den Ergebnissen die Situation der Pinguine mit Blick auf den Klimawandel besser einschätzen zu können.