Wien. (gral/apa) Delfine, die sich Schwämme um ihre Schnauze stülpen, damit sie sich bei der Futtersuche am steinigen Meeresboden nicht verletzen. Seeotter, die Steine zum Knacken von Schalentieren nützen. Krähen, die mit Drähten nach Futter angeln. Kakadus, die selbstständig Werkzeug herstellen, um an Essbares zu gelangen. Schimpansen, die Jagdwaffen produzieren und diese auch einsetzen. - Dass der Gebrauch von Werkzeug nicht nur den Menschen eigen ist, ist lange bekannt. Und die Liste ließe sich erweitern. Dennoch ist tierischer Werkzeuggebrauch insgesamt gesehen eher selten anzufinden und nicht alle Technikfreaks unter ihnen sind planvolle Denker. Forscher fanden nun heraus, dass etwa Orang-Utans sehr sorgfältig abwägen, ob sich ein Werkzeugeinsatz auszahlt oder nicht.

Orang-Utans teilen 97 Prozent ihres Erbguts mit dem Menschen und gehören zu den intelligentesten Primaten. Sie haben ein menschenähnliches Langzeitgedächtnis, benutzen routinemäßig eine Vielzahl ausgefeilter Werkzeuge in der Wildnis und bauen Nacht für Nacht aus Laub und Ästen aufwendige Schlafnester, beschreiben Kognitionsbiologen und Vergleichende Psychologen der Universität Wien, der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der St. Andrews University in Schottland in ihrer im Fachblatt "Plos One" publizierten Studie.

Flexibler Einsatz

In freier Wildbahn müssen die Tiere bei der Nahrungssuche auch darauf achten, wie weit der Weg zu Bäumen mit vielversprechenden Früchten ist und dabei daran denken, ob vor Ort auch geeignete Werkzeuge vorhanden sind. Vielfach kommen die Menschenaffen an das Fruchtfleisch stacheliger Früchte oder solchen mit harten Schalen nämlich nicht ohne die Hilfe von Geräten heran.

Erstmals untersuchte das Forscherteam, wie die Primaten ihre Entscheidungen bezüglich Futter und Werkzeuggebrauch treffen und wie viele Aspekte sie gleichzeitig berücksichtigen, um letzten Endes gewinnorientierte Entscheidungen zu treffen. Dazu wählten die Biologen einen Versuchsaufbau, bei dem Wissenschafter um Alice Auersperg vom Messerli Forschungsinstitut der Vetmed bereits bei Goffin-Kakadus überprüften, ob die Werkzeuge situationsabhängig und damit flexibel einsetzen.

Je nach Aufbau hatten die Tiere frei zur Verfügung stehendes Futter - ihre absolute Lieblingsspeise Bananen-Pellets und Apfelstücke -, einen oder zwei gefüllte Apparate und Werkzeuge zum Öffnen zur Auswahl. Die Orang-Utans zeigten dabei klare Präferenzen und Handlungspläne: Die eher ungeliebten Apfelstückchen wurden nur dann gewählt, wenn selbst mit dem zur Verfügung stehenden Werkzeug an die favorisierten Bananen nicht heranzukommen war.

Bananen statt Äpfel

Vorausgesetzt das richtige Werkzeug lag parat, nahmen die Tiere umgekehrt gerne den Umweg über das Öffnen einer Apparatur in Kauf, wenn am Ende der Prozedur ihre Lieblingsspeise auf sie wartete. Sofort verfügbare Äpfel ließen sie dann links liegen. Auch wenn beide Apparaturen mit unterschiedlichen Speisen gefüllt und beide Werkzeuge dargeboten wurden, schafften es die Orang-Utans, den für sie maximalen Gewinn - nämlich die Bananen - zielsicher einzustreifen.

Die Ergebnisse decken sich mit den Resultaten von Goffin-Kakadus, die zuvor in derselben Aufgabe getestet wurden. "Dies legt nahe, dass sich ähnlich kognitive Fähigkeiten unabhängig voneinander in entfernt verwandten Arten entwickelt haben", betont Alice Auersperg, Leiterin des Goffin Labs der Vetmed. Im Vergleich zu den Orang-Utans konnten die Kakadus jedoch die letzte Aufgabe, in der beide Apparaturen mit unterschiedlichem Futter befüllt waren, und sie zwischen den beiden Werkzeugen wählen mussten, nicht gewinnbringend lösen.