Graz/Washington. Explosive Massenauswürfe der Sonne sind für die stärksten Störungen des Weltraumwetters verantwortlich. Ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung hat analysiert, wie sich so eine solare Eruption aus einer Vielzahl an sehr kleinen Plasmastrukturen in Form von einzelnen magnetischen Flussröhren entwickelt und darüber im Fachblatt "Science Advances" berichtet.

Von der Sonne strömen kontinuierlich elektrisch geladene Teilchen in den Raum und bilden den sogenannten Sonnenwind. Bisweilen wird der abströmende Sonnenwind jedoch durch riesige Auswürfe von magnetisierter Sonnenmaterie unterbrochen, den koronalen Massenauswürfen. "Dabei werden riesige Wolken von magnetisiertem Sonnenplasma in den interplanetaren Raum geschleudert, wo sie sich mit Geschwindigkeiten bis zu einigen Millionen Kilometern pro Stunde ausbreiten", erklärte Astrid Veronig vom Institut für Physik der Universität Graz und Observatorium Kanzelhöhe. Sie hat die Vorgänge auf der Sonne seit vielen Jahren im Visier.

Ziel ist bessere Vorhersage

Ziel ist es, durch ein tiefgehendes Verständnis der hochenergetischen Prozesse genauere Vorhersagen über die zu erwartenden Auswirkungen für die Erde machen zu können. Denn die Folgen der koronaren Masseauswürfe können enorm sein: Wenn die Sonnenstürme Erdnähe erreichen, werden sie zwar vom irdischen Magnetfeld abgelenkt. Dennoch können diese geladenen Teilchen vereinzelt in die Erdatmosphäre eindringen und elektromagnetische Störungen verursachen, die den Flugverkehr und Transformatoren gefährden. Die Ströme können auch Kommunikations- und Energiesysteme in Mitleidenschaft ziehen. Die neuen Beobachtungen sollen die Verwirklichung der Vision von einer besseren Vorhersage des explosiven Sonnenphänomens vorantreiben.