Wien. Vor dem Vorführungsraum des Planetariums im Wiener Prater mit seinem ungewöhnlichen, knochenförmigen Präzisionsprojektor führt ein schmaler Gang nach rechts in ein ebenerdiges Büro. Ein Mann mit leichtem Bauchansatz und freundlichen klaren Augen blickt vom schmucklosen Schreibtisch auf: "Ah, Sie bringen das Buch zurück!" Eigentlich dürfte er die Bücher aus der Bibliothek des Planetariums gar nicht verborgen, aber wenn es darum geht, Menschen für Astronomie und Himmelskunde zu begeistern, dann rückt Hermann Mucke die Grenzen des Erlaubten gerne ein wenig zurecht.

Wir schreiben Dezember 1973 und der Leiter des Planetariums - noch nicht mit dem hochverdienten Professorentitel geehrt - schreibt gerade einen Beitrag für die von ihm verlegte Monatszeitschrift "Der Sternenbote". Noch am gleichen Abend wird er auf einem Hügel bei Wien in klirrender Kälte nach dem Kometen Kohoutek Ausschau halten und einem tapferen Häufchen mitfrierender Hobbyastronomen - den Ausdruck Sternengucker hat er gehasst - die Entstehung von Kometen, die Charakteristika deren oft exzentrischer Bahnen und die Ursachen für die Entwicklung des hellen Lichtschweifs erklären - mit stimmlichem Einsatz, mit Leidenschaft und mit enormem Fachwissen.

Der 1935 in Wien geborene Astronom und ehemalige Leiter des Wiener Planetariums und der Urania-Sternwarte ist vergangenen Dienstag nach kurzer schwerer Krankheit verstorben. Beide Einrichtungen hatte er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2000 geführt. Unterstützt von seiner Frau Ruth, leitete er bis zuletzt das Astronomische Büro Wien, das er nach dem Tod seines Lehrmeisters Oswald Thomas 1963 übernommen hatte. 1997 hatte er gemeinsam mit seinen Mitarbeitern das Freiluftplanetarium Sterngarten in Wien-Mauer errichtet, wo er regelmäßig zu Führungen geladen hat.

Seit den 1970er Jahren war Hermann Mucke auch für die "Wiener Zeitung" tätig. Sein seit damals monatlich verfasster "Sternenhimmel" erfreute sich unter den astronomisch interessierten Lesern größter Beliebtheit.

Die Stars am Himmel

Über vier Jahrzehnte und auch noch weit nach seiner Pensionierung hat Hermann Mucke als Volksbildner im besten Sinne des Wortes Begeisterung für die Astronomie in die Welt getragen. Vom siebenjährigen Volksschüler bis zum emeritierten Mathematikprofessor, von der jungen Mutter mit Kinderwagen bis zur Physik-Studentin hat Mucke jeder und jedem die Schönheiten und die Geheimnisse des glitzernden Firmaments nähergebracht. Zigtausenden hat er in "seinem" Planetarium das Faszinosum der Sterne und Planeten begreiflich gemacht, hat mit den besonders Interessierten Fernrohre gebastelt oder Kameras für die Himmelsfotografie adaptiert.

Arbeitszeit? Was für ein fremdartiger Begriff! Ein Star der Wissenschaft? Warum denn, wenn doch Wissenschaft und der gestirnte Himmel die Stars sind! Der still-leuchtende Stern des Hermann Mucke ist am 12. März untergegangen. Doch unzählige andere, deren Feuer für die Astronomie er durch seine Lebensmission entzündet hat, leuchten weiter - einem großen Lehrer zur Ehre und zur Erinnerung.

Die Redaktion der "Wiener Zeitung" verabschiedet sich von ihrem Starman und damit aber auch von der allmonatlichen Sternenbetrachtung.

Der Autor war Chefredakteur des "Trend", ist begeisterter Hobby-Astronom und kannte Hermann Mucke seit seinem achten Lebensjahr.