London/Wien. Kaninchen fressen liebend gerne frische Gräser, Kräuter und Blätter. Und sie benötigen viel davon, um genügend Nährstoffe aufnehmen zu können und ihren Verdauungsapparat optimal in Schuss zu halten. Die Langohren scheinen allerdings viel wählerischer zu sein als bisher angenommen. Denn Kaninchen bevorzugen Pflanzen mit besonders reichhaltiger DNA, berichten Londoner Forscher im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society B". Diese seien nämlich besonders nahrhaft. Das Gegenteil gilt wiederum für wirbellose Tiere wie Schnecken oder Insekten. Sie bevorzugen Pflanzen mit geringeren DNA-Anteilen, heißt es in der Studie.

Viele verschiedene Faktoren seien entscheidend dafür, was Pflanzenfresser an Nahrung zu sich nehmen. Welche Rolle die Erbgutgröße - nämlich die Menge an DNA, die sich in den einzelnen organischen Zellen befindet - dabei spielt, war bisher unbekannt. Die Größe des Genoms sollte jedoch künftig auch als neuer Maßstab verwendet werden, um ökologische Modelle zu verfeinern. Sie könnten gute Dienste in der Vorhersage leisten: nämlich wie Pflanzengruppen auf ökologische Veränderungen, die durch den Klimawandel oder veränderte Landnutzung entstehen, reagieren, betonen die Wissenschafter in der Publikation.

Reich an Proteinen

Während die Daten zeigen beziehungsweise vermuten lassen, welche Nahrung die Tiere besonders gerne aufnehmen, sei daran auch zu erkennen, wie die Pflanzen nachwachsen, wenn sie einmal abgegrast wurden. Das Forscherteam um Andrew Leitch von der Queen Mary University in London fand heraus, dass ihre Reaktion vom Verhalten ihrer Konsumenten abhängt.

Doch warum bevorzugen Kaninchen überhaupt DNA-reiche Kost? Sie ist nährstoffreicher, erklären die Forscher. Das Pflanzengenom ist reich bepackt mit Proteinen und Nukleinsäuren, die die Tiere benötigen, um ihre eigenen Zellen erneuern zu können. Wirbellose haben sich hingegen als Spezialisten für Genome geringerer Größe herauskristallisiert. Sie sind nämlich in wesentlich größeren Mengen verfügbar.

Das Genom von Pflanzen kann von Art zu Art sehr stark variieren. Das größte ist immerhin ungefähr 2400 Mal größer als das kleinste Genom, beschreiben die Wissenschafter. Das hat auch Einfluss darauf, wie und wo Gewächse leben können. Die Studie zeige überdies den Einfluss der Pflanzen auf die einzelnen Tierarten - abhängig davon, wie viel Erbgut sich in ihren eigenen Zellen befindet.

"Die Größe des Genoms muss mehr beachtet werden, um ökologische Prozesse besser beschreiben zu können", betont Ilia Leitch von den Royal Botanic Gardens in Richmond. Das sei hilfreich, um gegen die negativen Effekte des Klimawandels, der veränderten Landnutzung und dem veränderten Nährstoffeintrag in unsere Umwelt vorgehen zu können sowie letzten Endes auch, bedrohte Arten zu schützen.