"Wiener Zeitung": Haben Sie die Mondlandung am 21. Juli 1969 live im Fernsehen mitverfolgt?

Franz Viehböck: Ich habe die Mondlandung im Fernsehen mitverfolgt und sie war für mich ein besonderes Erlebnis. Damals hatte man noch keine Fernseher in verschiedenen Größen in Farbe mit hunderten Programmen. Als Professor an der Technischen Universität Wien konnte mein Vater sich einen Schwarz-Weiß-Fernseher für die Mondlandung ausborgen. Ich kann mich erinnern, wie Armstrong seinen Fuß auf den Mond setzte, und auch, dass es in der Nacht lange gedauert hat - ich glaube, es waren vier Stunden - zwischen Landung und Ausstieg.

- © Michael_Hetzmannseder
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Hat sie die Leidenschaft für die Raumfahrt entfacht?

Das hat sie, viele waren davon fasziniert. Österreich war jedoch damals ein Land, das mit Raumfahrt nichts zu tun hatte, und ich war Realist genug, um zu wissen, dass das "Berufswunsch: Astronaut" keine Sache kleiner Nationen war. Gottseidank hat sich in Österreich aber dann eine Weltraumszene entwickelt und ich habe mich beworben.

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Sie wurden als einer von 200 Bewerbern ausgewählt, 1991 zur russischen Raumstation MIR zu fliegen. Warum glauben Sie, fiel die Wahl gerade auf Sie?

Generell muss man physisch und psychisch gesund sein. Und man braucht Glück. Zum Rest kann ich nur Vermutungen anstellen. Man wird ja nicht ausgewählt, nur weil man schneller läuft, mehr Gewicht stemmt oder sich die Dinge besser merkt. Sondern eine Vielzahl von Beobachtungen, Daten und Fakten wurden zu einem Gesamtbild zusammengefügt, anhand dessen eine Kommission entschieden hat, dass ich der geeignete Kandidat wäre. Psychologen und Ärzte haben uns zwei Jahre lang auf Herz und Nieren geprüft und auch berücksichtigt, wie man in der Öffentlichkeit auftritt und sich seine Laufbahn danach vorstellt.

Im Rahmen von Austromir haben Sie die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf die Gesundheit untersucht. Heute macht die Menschheit Pläne zur Besiedelung von Mond und Mars. Ist das gesund?

Es gibt mehrere Einflussgrößen im Weltall. Im erdnahen Raum auf der Internationalen Raumstation ISS ist die primäre Veränderung die Schwerelosigkeit. Das ist ein tolles Gefühl, aber für den Körper eine Belastung. Unmittelbare Effekte sind Übelkeit, weil die Orientierung verschwindet, oder dass einem Körperflüssigkeiten zu Kopf steigen und das Gesicht anschwillt. Weiter in Richtung Mond steigt die Strahlung, weiter noch in Richtung Mars noch mehr. Auf einer Mond- oder Marsbasis gibt es jedoch keine Schwerelosigkeit. Die Mond-Anziehungskraft etwa ist ein Sechstel der Erdanziehungskraft, somit ist der Effekt abgeschwächt und verträglicher.