Brüssel/Wien. "Das ist das erste Bild eines Schwarzen Loches." Mit diesen Worten und einer Aufnahme des Event-Horizon-Teleskops (EHT), die einen dunklen Fleck vor einem verschwommenen orange-rot leuchtenden Ring zeigt, verkündeten Wissenschafter Mittwoch Nachmittag eine astronomische Sensation. Damit hat sich wieder einmal eine vor 100 Jahren getroffene Vorhersage Albert Einsteins bestätigt. Anton Zensus, Direktor am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) in Bonn sprach in einem Livestream von einem "riesigen Durchbruch für die Menschheit".

Schwarze Löcher sind Orte der Extreme. Ihre Masse ist so stark zusammengeballt, dass nichts ihrer enorm hohen Anziehungskraft entkommt. Damit sind sie praktisch unsichtbar. Jedoch heizt sich Materie, bevor sie in ein solches gezogen wird, so extrem stark auf, dass sie hell leuchtet. Das wurde zumindest angenommen und in der Vergangenheit schon in unzähligen Illustrationen gezeigt. Mit dem aktuellen Bild existiert nun der erste visuelle Nachweis.

Acht Observatorien nötig

Es zeigt ein supermassereiches Schwarzes Loch im Zentrum der gewaltigen Galaxie Messier 87 und befindet sich etwa 55 Millionen Lichtjahre von unserem Heimatplaneten entfernt – im wahrsten Sinne einen "ring of fire", schilderte der Vorsitzende des EHT-Wissenschaftsrats, Heino Falcke von der Radboud-Universität in Nijmegen/Niederlande in einer von sechs Pressekonferenzen, die zeitgleich rund um den Globus stattgefunden haben. Seine Masse berechneten die Astronomen auf mehr als sechs Milliarden Sonnenmassen.

Für ihr Projekt hatten die Forscher acht Radioteleskope auf vier Kontinenten miteinander kombiniert. Die Detailschärfe dieses virtuellen Event Horizon Telescope ist gigantisch. Damit ließe sich von einem Berliner Straßencafe aus eine Zeitungsseite in New York lesen, hieß es.

"Unsere Ergebnisse ermöglichen uns zum ersten Mal einen klaren Blick auf ein supermassives Schwarzes Loch und sie markieren einen wichtigen Meilenstein für unser Verständnis der fundamentalen Prozesse, die die Bildung und die Entwicklung von Galaxien im Universum bestimmen", betonte MPIfR-Direktor Zensus. Das Bild sei eine Bestätigung von Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie unter den extremsten Bedingungen des Universums.

Der leuchtende Ring mit seiner dunklen Zentralregion – dem Schatten des Schwarzen Loches – zeigt sich in einer Vielzahl unterschiedlicher Beobachtungen von M87, die unabhängig voneinander von Wissenschafterteams ausgewertet wurden, heißt es in einer Aussendung des Max-Planck-Instituts.

Durchbruch öffnet Türen

Das mache die Forscher so sicher, dass sie nunmehr tatsächlich zum ersten Mal den Schatten eines Schwarzen Loches abgebildet haben. Um den Kern herum bildet sich eine Gas- und Staubscheibe, auf der neue Materie in den Raumzeitschlund strudelt. Diese Materie dreht sich immer schneller, wird dabei durch Reibung extrem heiß und leuchtet hell auf. Die Innenseite dieses Rings markiert den sogenannten Ereignishorizont. Er ist jener Ort im Umkreis eines Schwarzen Loches, von dem aus nur noch Licht entkommen kann.

Mit der Entdeckung, die im Fachblatt "Astrophysical Journal" publiziert ist, hoffen die Forscher, viele grundlegende Fragen beantworten zu können. Der Durchbruch öffne die Tür zu einer Vielzahl neuer Beobachtungen, die unbekannte Details der kosmischen Schwerkraftfallen enthüllen könnten, freute sich Karl Schuster, Direktor des Instituts für Radioastronomie im Millimeterbereich.