Nach den Reaktionen, die ich mitbekommen habe, denke ich das schon. Es ist überall im Internet, in den sozialen Medien, Google hat es als Doodle auf die Startseite gesetzt. Natürlich ist es verwaschen, aber es ist echt. Ich denke, Menschen sehnen sich nach Echtheit und nicht nach den Hochglanzsimulationen. Die sind schön, aber dieses Bild, das hat einfach was.

Welche Informationen können Sie und Ihre Kollegen herauslesen?

Wir können die Größe des Ereignishorizonts ermitteln, das sind rund 36 Milliarden Kilometer im Durchmesser, und daraus die Masse des Schwarzen Lochs, die rund 6,5 Milliarden Mal so groß ist wie die der Sonne. Der Schatten ist relativ zirkulär, das hat mit der No-Hair-Theorie zu tun. Keine Haare heißt, es gibt nicht viele weitere Parameter. Schwarze Löcher sind also relativ einfach, sie werden durch ihre Masse und ihren Spin, die Rotation, beschrieben. Mehr brauchen wir nicht.

Es ähnelt sehr den Simulationen, die auf Basis der Allgemeinen Relativitätstheorie gemacht wurden. Sie wurde also abermals bestätigt. Ein Grund zur Freude oder wurde anderes erhofft?

Man muss erst mal auf sicherem Boden stehen. Wenn da ein Smiley zu sehen gewesen wäre, hätten wir uns am Kopf gekratzt und gefragt: Was ist das denn? Insofern macht es das Leben einfacher, wenn das erste Bild erwartbar aussieht. Aber ich hoffe, dass wir mit weiteren Analysen beziehungsweise Beobachtungen doch noch kleine Abweichungen finden.

Warum?

Am Ereignishorizont kollidieren große Theorien unserer Welt, die Makrotheorie von Raum und Zeit und die Quantentheorie. Die beiden konnten bisher nicht zusammengeführt werden. Ich bin mir sicher, gerade dort, wo extreme Bedingungen herrschen, wird mindestens eine der beiden einige Grundsätze aufgeben müssen.

Wann wird die nächste Messkampagne sein, was werden Sie anschauen?

Wir müssen zunächst neue Anträge schreiben, damit wir Messzeit bekommen. Wenn das gelingt, werden wir im nächsten Jahr wieder beobachten - erneut die Riesengalaxie M 87 und Saggitarius A*, das Zentrum unserer Milchstraße. Für M 87 haben wir zum Glück jetzt mehr Teleskope. Noema in Frankreich kommt dazu und das Grönland-Teleskop, damit werden wir deutlich bessere Bilder machen können. Hoffentlich können wir den Spin eingrenzen, das gelang bislang nicht. Und wir erwarten mehr Informationen über die magnetischen Felder in der Umgebung. Ich mache mir aber Sorgen, ob wir das Teleskop in Mexiko wieder nutzen können.

Sie meinen das Large Millimeter Telescope im Bundesstaat Puebla. Was ist passiert?

Es gibt dort Probleme mit Kriminalität. In der Nähe des Teleskops verlaufen Pipelines, die von den Drogenkartellen angezapft werden. Im vergangen Jahr haben wir die Beobachtungen abgebrochen, nachdem einer meiner Studenten auf dem Weg zum Teleskop mit Maschinengewehren bedroht worden war. Es waren wohl keine Angehörigen eines Kartells, sondern der Geheimdienst, der auf der Suche nach Verbrechern war.