Wien. Wollhaarmammuts lebten vor zehntausenden Jahren. Forscher wollen die ausgestorbenen Tiere wieder zum Leben erwecken - beziehungsweise Mischwesen aus Mammut und Elefant. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn die in der sibirischen Steppe im Permafrostboden entdeckte DNA ist gut erhalten. Gekreuzt mit dem asiatischen Elefanten, könnte ein Tier geklont werden, das nicht nur seine ursprüngliche Heimat wieder besiedelt, sondern dort auch gute Verdienste im Sinne des Klimaschutzes erbringen könnte. Die Genetikerin Eriona Hysolli von der Harvard Medical School ist eine jener Forscherinnen, die sich der Rückkehr des Mammuts widmen. Im Rahmen des diesjährigen Fifteen Seconds Festival (6. bis 7. Juni in Graz), das Denkern und Machern aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Mobilität und Technologie eine Plattform bietet, ist sie eine von rund 300 Vortragenden. Im Interview mit der "Wiener Zeitung" spricht sie über ihre Arbeit und die Hintergründe.

"Wiener Zeitung":Geklonte Wollhaarmammuts: Das klingt sehr nach "Jurassic Park". Keine ausgestorbene Spezies wurde jemals wieder zum Leben erweckt. Ist das Vorhaben realistisch?

Eriona Hysolli: Diese Anspielung bekommen wir oft zu hören. Doch wenn ein Lebensraum auf der Erde existiert, der für Wollhaarmammuts geschaffen ist - wie in Sibirien der Fall -, glauben wir, dass es einen Unterschied macht. Zudem ist die Zeitskala eine andere. Das Jura, die Blütezeit der Dinosaurier, liegt 200 Millionen Jahre zurück. Das Pleistozän, die Epoche der Mammuts, nur zwei Millionen Jahre. Restpopulationen gab es sogar bis ins mittlere Holozän, um etwa 1800 vor Christus. Es existiert heute also ein sehr ähnliches Ökosystem, in dem sich die Tiere frei bewegen könnten. Ja, wir glauben, es ist Realität. Zudem helfen uns moderne genetische Werkzeuge dabei. Es ist möglich, die Veränderungen herbeizuführen, die nötig sind, um in naher Zukunft eine komplett neue Spezies zum Leben erwecken zu können.

Eriona Hysolli ist Genetikerin an der Harvard Medical School. Sie forscht an der Herstellung virenresistenter menschlicher Zelllinien sowie an der Wieder belebung des ausgestorbenen Wollhaarmammuts.
Eriona Hysolli ist Genetikerin an der Harvard Medical School. Sie forscht an der Herstellung virenresistenter menschlicher Zelllinien sowie an der Wieder belebung des ausgestorbenen Wollhaarmammuts.

Ist die Forschung Spielerei, oder steckt mehr dahinter?

Elefanten sind gefährdet, da sie immer mehr Lebensraum verlieren, vom Menschen gejagt werden und bis zu 80 Prozent der Jungtiere dem Elephant-Endotheliotropic-Herpesvirus zum Opfer fallen. Um die noch bestehenden Populationen der beliebten, ikonenhaften Tiere zu schützen, sie an ein neues Ökosystem anzupassen und sie resistent gegen das bedrohliche Virus zu machen, ist die Genom-Editierung sehr hilfreich. Da steckt nichts Spielerisches dahinter. Wir hoffen auch, dass die Umsetzung unseres Ziels dem heutigen Aussterben von Spezies entgegenwirken kann. Wir müssen aber auch die ethischen Fragen diskutieren, Pro und Contra gegenüberstellen.