Für eine erfolgreiche Paarung müssen die nötigen Körperteile von Männchen (blau) und Weibchen (rot) optimal zusammenpassen. - © Igor Siwanowicz
Für eine erfolgreiche Paarung müssen die nötigen Körperteile von Männchen (blau) und Weibchen (rot) optimal zusammenpassen. - © Igor Siwanowicz

Chevy Chase/Wien. Bestimmte Proteine im Ejakulat männlicher Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster) sorgen bei ihren weiblichen Pendants dafür, dass sie das Interesse an anderen Partnern verlieren - zumindest für eine Zeit lang. Es ist quasi ein Trick, den Männchen anwenden, um den Torschuss - nämlich die Befruchtung der Eier - möglichst erfolgreich für sich zu entscheiden. Doch scheint auch der Paarungsakt an sich Signale zu bewirken, dass Weibchen andere Männchen verschmähen - nämlich unabhängig davon, ob Sperma fließt oder nicht, erklären Forscher im Fachblatt "Neuron". Eine gewisse sexuelle Befriedigung dürfte also auch bei Fruchtfliegen von Bedeutung sein.

Das Signal könnte den Weibchen allerdings auch als Entscheidungshilfe dienen - nämlich ob sie sich weiteren Paarungsversuchen unterziehen oder einmal Pause einlegen können, erklärt Studienautorin Ulrike Heberlein vom Howard Hughes Medical Institute. Für diesen Stop-Befehl, den bei weiblichen Fruchtfliegen bestimmte Neuronen ins Gehirn aussenden, ist ein vollendetes sexuelles Erlebnis Voraussetzung. In der Natur werden Paarungsakte durch verschiedene Störfaktoren, wie etwa herannahende Feinde, oftmals unterbrochen.

Das neuronale Signal verrät der Fruchtfliege damit also auch, dass die Paarung erfolgreich war. Aber nur theoretisch: Denn die Weibchen verlieren auch ohne tatsächlich erfolgte Befruchtung die Neugierde an weiteren Partnern, wie die Forscher herausfanden. In einem Experiment hatten sie nämlich Männchen mit Ejakulationsstörungen zur Paarung bereitgestellt.

Während allerdings für männliche Fliegen die Ejakulation an sich den Erfolg ausmacht, scheinen die weiblichen Pendants für die Forscher doch ein Rätsel darzustellen. In einem nächsten Schritt wollen die Wissenschafter daher ein Verständnis darüber erlangen, ob tatsächlich der Sex an sich den Weibchen Genugtuung verschafft.