Prototyp des Ur-Kilos unter Glasglocken. - © WikiCommons/Japs88
Prototyp des Ur-Kilos unter Glasglocken. - © WikiCommons/Japs88

Wien. Was sich viele wünschen, hat das Ur-Kilo seit Jahrzehnten praktiziert: Es hat stetig abgenommen. Nämlich um 50 millionstel Gramm in den vergangenen 100 Jahren. Das scheint nicht viel, doch für die moderne Messwelt ist es das allemal. Schwankungen sind in einer Zeit, die weder beim Nanometer (millionstel Millimeter) noch bei der Femtosekunde (Millionstel einer milliardstel Sekunde) endet, mehr als verpönt. Und am Kilogramm orientieren sich auch andere Maße.

Physiker drängten daher schon lange auf eine Neudefinition der physikalischen Einheiten, um eine verlässliche Basis zu schaffen. So gab es schon seit längerem das Bestreben, gleich alle sieben Einheiten - nämlich Sekunde (Zeit), Meter (Länge), Kilogramm (Masse), Ampere (Stromstärke), Kelvin (Temperatur), Mol (Stoffmenge) und Candela (Lichtstärke) - mittels Naturkonstanten zu definieren. Sie gelten als die stabilste nur denkbare Basis und sollen es auch sein, an denen sich das Internationale Einheitensystem künftig orientiert.

Gewichtige Veränderung

Lichtgeschwindigkeit, die Ladung des Elektrons oder das Plancksche Wirkungsquantum bestimmen damit schon in Kürze alle physikalischen Messgrößen. Am Montag, dem 20. Mai, dem weltweiten Metrologietag, tritt die im November bei der Generalkonferenz für Maß und Gewicht beschlossene Neudefinition in Kraft. Sie biete eine stabile Grundlage für die Entwicklung neuer Technologien, heißt es.

Die gewichtigste Veränderung wird dem Kilogramm zuteilwerden. Es ist im Moment die einzige Einheit, die noch auf einen Massekörper rückgeführt wird. Knapp 130 Jahre lang hat das Ur-Kilo - jener kleine Platinzylinder in einem Safe im Pariser Vorort Sèvres - die Welt der Maßeinheiten schwergewichtig mitbestimmt. Nun hat es ausgedient. Zwar ist das Metallstück unter mehreren Glashauben unter Quarantäne gestellt, dennoch muss es von Zeit zu Zeit gereinigt werden. Dabei würden sich dünne Schichten von Kohlenwasserstoffen auf der Oberfläche absetzen. Für den Gewichtsverlust wiederum können Gaseinschlüsse im Metall sorgen, die nach und nach entweichen, erklären Experten die Vorgänge.

Dieses Schicksal teilt das Pariser Original mit rund 100 Kopien in rund 100 Staaten. Auch Österreich besitzt im Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen in Wien ein solches nationales Kilo. Und auch dort kam es im Laufe der Jahre zu gewichtigen Veränderungen.