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Zuerst tönt ein Summen. Dann kriecht ein kleiner, pelziger Körper durch einen Fensterspalt. Es folgt der allzu menschliche Versuch, die Biene wieder hinaus zu befördern. Zunächst klappt das auch, angesichts der spätwinterlichen Außentemperaturen kehrt sie jedoch bald wieder zurück, um einen kraftlosen Zimmerflug anzutreten. "Es kann vorkommen, dass Bienen zu früh schlüpfen und dann keine Nahrung finden", erhellt Ratgeber Internet die Ratlosen und empfiehlt Zuckerwasser. Ein Märzenbecher wird als Zuhause für die neue Mitbewohnerin gekauft, die süße Schale als Nektar dazugestellt und der Aufsichtsposten bezogen. Lebt sie noch? Bewegt sie sich? Trinkt sie endlich? Die halb verhungerte Biene krabbelt aus ihrer Blume und hantelt sich, immer der Nase nach, bis zum Zuckerwasser vor. Fährt den Rüssel aus, labt sich und wird plötzlich zu Supergirl. Mit kräftigem Flügelschlag surrt sie rund um den Luster, labt sich erneut, rastet in ihrer Blume, dreht wieder ihre Kreise und wiederholt den Prozess. Nach zwei Tagen fühlt sie sich so fit, dass sie Freiheit begehrt.

Honigbienen legen Distanzen von drei bis fünf Kilometern zurück. Ähnlich wie manche Vögel verlassen auch manche der Honigproduzentinnen ihre Stöcke zu früh. "Sie machen Reinigungsflüge, ähnlich wie wir Menschen uns entleeren müssen. Da Insekten aber kein Schmerzempfinden haben, kann es vorkommen, dass sie die Temperatur falsch einschätzen", erläutert der Biologe und Bienenkundler Fritz Gusenleitner.

Bienen haben kein Bewusstsein, handeln daher in mancherlei Hinsicht wie Maschinen. Doch im Programm ihrer Fähigkeiten steht nicht weniger als das Bauen mehrjähriger Staaten, das Anlegen unterirdischer Gänge und die Bestäubung der Blumen. Dass die Biene als Symbol für den Artenschutz herhält und die Rote Mauerbiene zum "Insekt des Jahres 2019" gekürt wurde, nimmt somit nicht wunder.

Um die Bedeutung der Bienen für die Biodiversität zu würdigen, haben die Vereinten Nationen im Vorjahr den Weltbienentag ausgerufen. Er wird am Montag zum zweiten Mal gefeiert. Grund genug für eine Würdigung dieser bemerkenswerten Sympathieträgerin aus der Familie der Hautflügler. Mehr als 20.000 Bienenarten leben auf unserem Globus. In Österreich sind 700 Arten zu Hause. Blütenpflanzen aus der Zeit vor 110 Millionen Jahren weisen bereits Merkmale auf, die auf eine Bestäubung durch Bienen schließen lassen. Ihr Ursprung liegt damit wahrscheinlich in der Kreidezeit. Die älteste fossile Biene wurde, eingebettet in Bernstein, im US-Staat New Jersey gefunden. Ihr Alter wurde auf 75 bis 92 Millionen Jahren datiert. Sie nennt sich Cretotrigona prisca und ist, so wie die Honigbiene, den staatenbildenden Arten zugeordnet.