Southampton/Wien. (est) Die britische Universität Southampton rechnet damit, dass in den kommenden 100 Jahren die Tiere insgesamt kleiner sein werden. Schnelllebige, fortpflanzungsfreudige Vögel und Säugetiere von geringer Körpergröße, die sich rasch auf veränderte Umweltbedingungen einstellen, würden sich in der Selektion gegenüber den größeren Arten, die damit mehr Probleme haben, durchsetzen.

Zu den Siegern der Evolution zählen laut den Forschern Nagetiere wie die Wüstenmaus oder Singvögel wie der Spatz. Weniger anpassungsfähigen, langlebigen Arten, die nur in bestimmten Ökosystemen überleben, droht demnach das Aussterben - etwa dem Raubadler oder dem Nashorn. Im Fachjournal "Nature Communications" sagt das Forschungsteam vorher, dass die mediane Körpermasse von Säugetieren innerhalb des nächsten Jahrhunderts um ein Viertel schrumpfen werde. Ein Rückgang dieser Größenordnung würde außerdem eine beschleunigte Veränderung darstellen. Vertreter der heutigen Tierwelt seien gegenüber ihren Vorfahren vor 130.000 Jahren um 14 Prozent geschrumpft.

Wenig anpassungsfähig

"Der Mensch ist die bei weitem größte Bedrohung für Vögel und andere Säugetiere. Er zerstört ihr natürliches Habitat, indem er Wälder abholzt, Intensiv-Landwirtschaft betreibt, seine Städte immer weiter ausdehnt und mit seinen Emissionen die Erde verschmutzt und erwärmt", erklärt Studienleiter Rob Cooke. "Manche großen Arten erfüllen jedoch einzigartige Funktionen in der Natur. Wenn wir sie verlieren, bleiben nur kleine. Die Schrumpfung könnte der Treiber und auch die Konsequenz von globalen Veränderungen sein. Ein Minus an tierischer Körpergröße könnte das weltweite Ökosystem und sogar die Evolution selbst in eine negative Richtung drehen."

Um eine Vorhersage zu treffen, haben Cooke und sein Team Daten zu Körpermasse, Größe der Exkremente, Lebensraum, Fressgewohnheiten und Länge der Generationen von 15.484 an Land lebenden Säugetieren und Vögeln gesammelt und diese mit der Liste der bedrohten und gefährdeten Arten der Weltnaturschutzunion verglichen. Gleichzeitig haben sie Überlebensstrategien analysiert und die Kombination der Daten mit statistischen Methoden ausgewertet.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Biodiversität nicht zufällig verloren geht, sondern im Gegenteil das Ergebnis beinharter Selektion ist. "Wir konnten zeigen, dass der Verlust von Vögeln und Säugetieren nicht ökologische Willkür ist, sondern ein selektiver Prozess, bei dem bestimmte Kreaturen aussortiert werden, abhängig von ihrer Anfälligkeit für umweltbedingte Veränderungen", erläutert der Co-Autor der Studie, Felix Eigenbrod.