Alle vier Jahre wird das Institut evaluiert, das nächste Mal Ende des Jahres. Noch 2016 waren die Gutachter der Ansicht, der Standort außerhalb Wiens erschwere den Austausch mit anderen Einrichtungen. Sehen Sie das auch so?

Nein, das ist der tollste Standort, den wir haben können. Wir sind in der Nähe der lebenswertesten Stadt der Welt, aber mitten im Grünen auf einem Campus, wo alle vereint sind und wo wir Platz haben für Ausbauten.

Zuletzt befand das Gutachterkomitee, das IST Austria sei auf dem besten Weg zur Exzellenz. Gibt es einen Punkt, wo man das "auf dem Weg" streichen kann?

Ein Institut kann sich nie zurücklehnen und sagen: Jetzt sind wir exzellent und das ist es. Stehen bleiben, heißt zurückfallen in der internationalen Wissenschaft. Wir müssen immer besser werden, immer dynamisch bleiben. Und wir befinden uns erst in der Mitte unserer Aufbauphase.

Bis 2026 sind 90 Forschungsgruppen vorgesehen. Und danach?

Ein Institut braucht eine kritische Masse, um sichtbar zu werden und zu bleiben. Wir wachsen um durchschnittlich fünf neue Gruppen pro Jahr. Das ist eine Zahl, die uns erlaubt, in mehreren Feldern zu rekrutieren, jedoch nicht zu hoch ist, um die Top-Qualität zu halten. Wenn wir nächstes Jahr 20 neue Forscher einstellen müssten, könnten wir dieselbe Qualität wohl nicht halten. Mit einem Wachstumspfad wie derzeit könnten wir bis 2036 an die 150 Gruppen erreichen.

Eine Vereinbarung zwischen der Republik Österreich und dem Land Niederösterreich regelt die Finanzierung bis 2026. Der Bund investiert 99 Millionen Euro pro Jahr, wobei ein Drittel dieses Geldes an die Einwerbung von Drittmitteln gebunden ist, das Land trägt zu Infrastruktur, Gebäuden und Betrieb bei. Bis wann müssen Sie wissen, wie es mit der Finanzierung weitergeht?

Den Wachstumspfad für nach 2026 muss man bald festlegen. Wenn wir ein Gebäude im Jahr 2027 brauchen, müssten wir in den nächsten zwei Jahren mit der Planung beginnen. Auch Zusagen an Professoren erfordern einen mehrjährigen Planungshorizont. Wir haben Gespräche geführt, die Anzeichen sind positiv. Jedoch wissen wir heute nicht, wer nächste Woche in der Regierung sein wird.

Neben den Folgen der Ibiza-Affäre für alle erzeugt in der Forschung die Tatsache Unsicherheit, dass Exzellenzinitiative und Forschungsfinanzierungsgesetz im Windschatten der Steuerreform auf Herbst verschoben wurden. Wie ist das IST betroffen?

Die Wissenschaftslandschaft im Allgemeinen betrifft es stärker als uns. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Exzellenzinitiative abgesagt ist. Vielleicht ändert sich der Zeitplan, aber die Tatsache bleibt. Das Allerwichtigste ist, dass sie den Wissenschaftsfonds FWF (größte Förderagentur für Grundlagenforschung, Anm.) stärkt und neue kompetitive Mittel geschaffen werden. Der FWF ist stark unterdotiert und kommt immer als Letztes dran und das gehört geändert.