Göttingen/Wien. (gral) Die Sprach- und Kommunikationsfähigkeit des Menschen ist im Tierreich einzigartig. Die Sprache bestimmt unsere Wahrnehmung und unser Handeln. Mit ihr können wir uns mitteilen, uns mit anderen Menschen austauschen. Wie sie entstanden ist beziehungsweise sich in der Geschichte entwickelt hat, ist Inhalt vieler wissenschaftlicher Arbeiten. Deutsche Forscher untersuchten nun das Alarmrufsystem der Grünmeerkatzen, um der Entstehung der Sprache im Laufe der Evolution auf den Grund zu gehen - auch jener beim Menschen.

Die im südlichen Afrika lebenden Grünmeerkatzen warnen ihre Artgenossen vor Raubfeinden mit speziellen Warnrufen, die "Leopard", "Adler" oder "Schlange" bedeuten. In Experimenten hat ein Forscherteam um Julia Fischer vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) untersucht, wie ihre Verwandten, nämlich die Westlichen Grünmeerkatzen, auf unbekannte Geräusche reagieren.

Varianten von Warnrufen

Leoparden, Adler und Schlangen sind die drei großen Raubfeinde der Grünmeerkatzen. Für jeden dieser Räuber haben die südlichen Bewohner spezielle Warnrufe entwickelt. Beim Ruf "Leopard" klettern sie auf einen Baum, beim Ruf für "Adler" suchen sie den Himmel ab und verstecken sich, beim Ruf "Schlange" stellen sie sich auf zwei Beine und verharren reglos, skizzieren die Primatenforscher im Fachblatt "Nature Ecology & Evolution".

Die nahe verwandten Westlichen Grünmeerkatzen verwenden ebenso Warnrufe für Leoparden und Schlangen, jedoch keinen für Raubfeinde aus der Luft. Mit ihnen haben die Forscher einen Playback-Versuch durchgeführt, um die Evolution des Alarmrufs zu untersuchen.

Dafür haben sie die Tiere mit einer neuen, potenziellen Gefahr aus der Luft konfrontiert. Sie haben eine Drohne über eine Gruppe Westlicher Grünmeerkatzen hinwegfliegen lassen und ihnen später eine Tonaufnahme dieser Drohnengeräusche vorgespielt.

Die Primaten reagierten auf diese Geräusche mit eigenen Warnrufen - einige von ihnen suchten den Himmel ab und versteckten sich. Diese Warnrufe unterschieden sich deutlich von den Lauten, die die Tiere in Gegenwart von Schlangen und Leoparden ausstoßen. Die Rufe ähnelten allerdings den Warnrufen, die Südliche Grünmeerkatzen ausstoßen, wenn sich ein Adler aus der Luft nähert.

Schnell gelernt

Aus den Reaktionen konnten die Forscher schließen, dass die Tiere sehr schnell lernen, was das Drohnengeräusch bedeutet. Dass sie einen Ruf verwendeten, den die Verwandten aus dem Süden für Raubfeinde aus der Luft anwenden, lege nahe, dass die Art der Lautäußerungen schon vor langer Zeit im Laufe der Evolution festgelegt wurde, berichtet das Deutsche Primatenzentrum in einer Aussendung.

"Die Tiere haben schnell gelernt, was die zuvor unbekannten Geräusche bedeuten und sich diese Information gemerkt", sagt Julia Fischer, Leiterin der Abteilung Kognitive Ethologie am DPZ. "Dies zeigt ihre Fähigkeit zu auditivem Lernen."