College Park/Wien. Ein Komet, ein Asteroid oder gar ein interstellares Raumschiff? Diese Frage hatten sich Astronomen im Jahr 2017 gestellt, als sie ein mysteriöses Objekt entdeckt hatten, das sich seinen Weg durch unser Sonnensystem bahnte. Die Forscher hatten für ihre Observation lediglich ein paar Wochen Zeit, denn der interstellare Gast war schnell wieder in den unendlichen Weiten verschwunden. Eine Zusammenfassung all der gesammelten Daten gibt nun mehr Aufschluss über die Beschaffenheit des Objekts.

"Oumuamua (hawaiianisch für "Botschafter aus der Ferne") ist rötlich und vielen Objekten, die wir in unserem Sonnensystem bereits entdeckt haben, ähnlich", erklärt der Astronom Matthew Knight von der University of Maryland im Fachblatt "Nature Astronomy". "Wir haben so etwas wie Oumuamua noch nie in unserem Sonnensystem gesehen und es bleibt ein Rätsel", so der Forscher. Die Hypothese eines Alien-Raumschiffs sei eine witzige Idee gewesen, aber die Analysen lassen vermuten, dass es sich um ein rein natürliches Phänomen handle.

Nach wie vor rätselhaft

Erstmals gesichtet wurde es mit dem Panoramic Survey Telescope and Rapid Response System 1 Telescope am hawaiianischen Haleakala Observatorium. In Folge hatten Forscher mit verschiedenen Teleskopen versucht, Daten zu sammeln. Oumuamua hat eine zigarrenähnliche Form mit einer seltsamen Oberfläche. Seine Bewegung durch das Sonnensystem bleibt allerdings rätselhaft. Denn während es sich auf seiner Flugbahn beschleunigte - was eine typische Eigenschaft von Kometen ist - fanden die Astronomen keinen Nachweis von gasförmigen Emissionen, die eine solche Geschwindigkeitszunahme üblicherweise erst ermöglichen, schreiben die Forscher in der Publikation.

"Die Bewegung folgte auch keiner Schwerkraft entlang eines parabolischen Orbits, wie wir es von einem Asteroiden erwarten würden", erklärt Knight. Auch wurden keine bekannten Eigenschaften von Kometen identifiziert - keine Gas- und Staubhülle, wie sie aktive Kometen besitzen. Die vorliegende Arbeit gibt das erste große Bild von dem, was bisher von Oumuamua bekannt ist.

Beim 233rd Meeting of the American Astronomical Society hatte der Astronom Greg Laughlin von der Yale University betont, der Brocken sei nicht so besonders wie gedacht. Tatsächlich würden mehrere Billionen solcher Objekte durch unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße reisen. Speziell sei lediglich, dass es sich dabei um den ersten gesichteten interstellaren Gast handelte. "Bisher hatten wir alle nur nicht gut genug Ausschau gehalten", so Laughlin in seinem Vortrag.

Neues Teleskop ab 2022

Auch das Team um Knight vermutet, dass es sich bei Oumuamua um den ersten gesichteten Gast handelte. Weitere Daten erhoffen sich die Astronomen vom Large Synoptic Survey Telescope, das im Jahr 2022 in Betrieb gehen soll. "In den nächsten zehn Jahren werden wir viele solcher Objekte zu sehen bekommen - vermutlich jedes Jahr. Dann werden wir wissen, ob Oumuamua sonderbar oder gewöhnlich ist", so Knight.