Graz/Wien. "An apple a day keeps the doctor away." - Seine Inhaltsstoffe machen den Apfel zu einer vielgeworbenen, der Gesundheit förderlichen Nährstoffquelle. Neben Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen ist es vor allem das sogenannte Pektin - ein Ballaststoff, der den Cholesterinspiegel senkt und Schadstoffe bindet -, das im Fokus steht. Flavonoide und Carotinoide senken das Krebsrisiko. Forscher der Technischen Universität Graz haben nun herausgefunden, dass ein Apfel zudem 100 Millionen Bakterien in sich trägt, die der Gesundheit ebenso nützlich sein könnten.

Einen größeren Vorteil scheinen grundsätzlich jene Menschen zu haben, die den Apfel inklusive Butz und Stängel verspeisen. Sie nehmen um ein Zehnfaches mehr an Bakterien zu sich als die Apfelbutzenverweigerer, heißt es in der in "Frontiers in Microbiology" erschienen Studie. Das Forscherteam um Birgit Wassermann von der TU Graz hat steirische Arlet-Äpfel in sechs Mikrohabitate unterteilt: Stiel, Schale, Kern, Fruchtfleisch, den unteren Bereich und den oberen Bereich, schildert die Forscherin im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Überraschend war, dass die größten Unterschiede zwischen den einzelnen Habitaten liegen." So beinhaltet etwa die Schale eine völlig andere Zusammensetzung aus Samen oder Fruchtfleisch.

Weg führt über den Nährboden

Zudem haben die Wissenschafter Bioäpfel mit konventionellen Früchten verglichen. Demnach besitzen die biologisch gewachsenen Äpfel eine signifikant höhere Diversität in ihrem Innenleben als ihre Pendants. Diese Vielfalt ist positiv zu sehen. So ist schon vom Darmmikrobiom des Menschen oder vom Bodenmikrobiom bekannt, dass Diversität der Gesundheit zugutekommt, sich aber etwa auch auf die Resistenz einer Pflanze auswirkt. Auch die Bakteriendichte sei im Bioapfel höher.

Die Mikroben gelangen höchstwahrscheinlich über den Nährboden, aber auch über die Luft in die Mutterpflanze. Von dort wandern sie in die Blüte und letzten Endes wiederum bis in die Frucht und damit auch in den Samen. "Lange Zeit dachte man, dass Samen innen steril sind", betont Wassermann. Die hohe Bakteriendichte und -diversität könnte für die Pflanzenkeimung und die gesamte Entwicklung des Gewächses von Bedeutung sein, vermutet die Forscherin.

Die Bakterienvielfalt sei "die Würze des Lebens", betont Zweitautorin Gabriele Berg von der TU Graz. "Bakterien, Pilze und Viren in unserer Nahrung besiedeln unseren Darm. Kochen tötet die meisten von ihnen ab, daher sind rohe Früchte eine besonders wichtige Quelle von Darmbakterien", erklärt die Forscherin in der Studie. Um die Besiedelung des Darms mit Mikroben weise zu beeinflussen, sei die weltweit beliebteste Frucht als Studienobjekt gewählt worden. Im Jahr 2018 sind etwa 83 Millionen Äpfel gewachsen und die Produktion steigt weiter an.

Unterschiede sahen die Forscherinnen auch bei den Bakterienarten. So fand sich etwa Escherichia-Shigella - eine Mikrobengruppe, die bekannte Pathogene beinhaltet - in den meisten konventionell gezogenen Äpfeln aber nicht in jenen aus Bioanbau. Bei den förderlichen Laktobazillen war es hingegen andersrum. Das Methylobakterium wiederum, das bei Erdbeeren für deren typischen Geschmack verantwortlich ist, ist in Bioäpfeln viel mehr vertreten.

Lagerung untersucht

Welche Auswirkungen die Erkenntnisse auf die Gesundheit des Menschen haben, muss in weiterer Folge von anderen Instituten erforscht werden, so Wassermann. Unterdessen wurde in einer weiteren schon abgeschlossenen Studie die Lagerung von Äpfeln ins Visier genommen. Auch hier dürfte der biologischen Variante der Vorzug gegeben werden. Bakterien aus Bioäpfeln waren in einem Laborexperiment in der Lage, vor lagerbedingten Schadpilzen zu schützen.