Washington. (dpa) Albert Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie hat den nach Forscherangaben bisher umfassendsten Härtetest bestanden. Selbst unter den extremen Bedingungen im Umfeld eines supermassereichen Schwarzen Lochs behält die Theorie ihre volle Gültigkeit, wie ein US-Team im Fachblatt "Science" berichtet.

Die Wissenschafter um Andrea Ghez von der Universität von Kalifornien in Los Angeles beobachten seit 24 Jahren einen Stern, der eng um das gigantische Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße kreist. Dabei konnten sie jüngst die Gravitationsrotverschiebung nachweisen: Durch seine extreme Schwerkraft zieht das Schwarze Loch die Lichtwellen in die Länge, wodurch das Sternenlicht rötlicher wird.

"Wir haben uns gefragt, wie sich die Schwerkraft nahe einem supermassereichen Schwarzen Loch verhält und ob Einsteins Theorie uns die ganze Geschichte erzählt", erläuterte Ghez in einer Mitteilung ihrer Universität. Das Schwarze Loch im Herzen der Milchstraße besitzt die Masse von ungefähr vier Millionen Sonnen. Im vergangenen Jahr verfolgten die Forscher, wie der Stern mit der Bezeichnung S0-2 mit 26 Millionen Kilometern pro Stunde durch den Punkt der größten Annäherung an das Schwarze Loch fegte, das er einmal alle 16 Jahre umrundet. "Unsere Beobachtungen sind konsistent mit Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie", berichtete Ghez.

Nachdem die Allgemeine Relativitätstheorie bereits viele Tests in schwachen Gravitationsfeldern bestanden hatte, war sie im Vorjahr unter den Extrembedingungen in der Umgebung des zentralen Schwarzen Lochs der Milchstraße getestet worden - ebenfalls mit Erfolg. Das Team um Ghez konnte nun das bisher präziseste Bewegungsbild des Sterns an dem Schwerkraftmonster in drei Dimensionen gewinnen. Zudem konnte es mit anderen Instrumenten bei ihm zusätzlich die Gravitationsrotverschiebung bestätigen, ein Merkmal der Allgemeinen Relativitätstheorie. Laut Einstein muss Licht in der Nähe eines Schwarzen Lochs gegen die gigantische Gravitation besonders harte Arbeit leisten, um nicht über den Ereignishorizont zu fallen und verschluckt zu werden. Seine Wellenlänge verschiebt sich dadurch in Richtung Rot. Genau das haben die Forscher beobachtet.

"Einstein hat recht, jedenfalls für den Moment", kommentiert Ghez. "Allerdings zeigt seine Theorie definitiv Verwundbarkeit. Sie kann die Schwerkraft in einem Schwarzen Loch nicht völlig erklären, und irgendwann werden wir uns zu einer umfassenderen Theorie der Gravitation jenseits bewegen müssen, die erklärt, was ein Schwarzes Loch ist."