Wien. (est) Wünsch‘ Dir was: Der August gilt als der Sternschnuppenmonat schlechthin. Wenn die Erde auf ihrer Bahn die Staubspur des Kometen Swift-Tuttle kreuzt, regnet es Sternschnuppen vom Nachthimmel. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich unzählige Teilchen des Kometenkerns entlang seiner Bahn verteilt. Sie verursachen den alljährlichen Meteorstrom. Da die Funken aus dem Sternbild des Perseus zu kommen scheinen, heißt er Perseiden.

Heuer erreicht der Sternschnuppenregen am 13. August seinen Höhepunkt. Zwischen 20 und 80 Meteore fallen pro Stunde (das Maximum lag bei 350 in den Jahren 1991 und 1993). Die Staubteilchen treffen in rasender Geschwindigkeit auf die Erdatmosphäre und bringen Luftmoleküle zum Leuchten. Die kurzlebigen Leuchterscheinungen werden allerdings zunehmend und insbesondere heuer vom Licht getrübt.

Da zwei Tage später bereits Vollmond sein wird, ist der Nachthimmel von Natur her erhellt. Zudem findet der Hauptakt der Perseiden am 13. August tagsüber zwischen 4.00 und 17.00 Uhr statt, heißt es auf der Homepage der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA). Für Wien rechnet man mit den besten Beobachtungschancen kurz vor der Morgendämmerung am 11. August ab 1.30 Uhr, am 12. August gegen 2.20 Uhr und am 13. August kurz nach 3.00 Uhr.


Nachhaltiger als der Zeitpunkt des Meteorschauers ist die Lichtverschmutzung. Sie erreiche bereits die letzten naturnahen Lebensräume Österreichs. Bald könnten die Sternschnuppen unsichtbar werden, warnt das Naturhistorische Museum (NHM) in Wien.

Messungen im Rahmen des vom NHM koordinierten Forschungsprojekts "Lebensraum Naturnacht" zum Stand der Aufhellung des Nachthimmels durch künstliches Licht in Österreich zeigen, dass nicht einmal im Naturschutzgebiet des Nationalparks Kalkalpen stockdunkel bleibt. "Besonders dramatisch war der Kontrast zwischen dem intakten Himmel beim Blick in Richtung Süden, in Richtung Alpenhauptkamm, und des hell erleuchteten Himmels in Richtung Alpenvorland", betont der Astronom Günther Wuchterl in einer Aussendung des NHM. "Aufgrund der Abschattung der Vorberge hatte ich gehofft, dass die Nacht in den Ostalpen noch intakt ist. Aus zu erforschenden Gründen reicht die natürliche Abschattung aber nicht mehr. Das Licht vom Großraum Linz dringt vor."

Im Naturschutz spielt die Lichtverschmutzung seit den 1980er Jahren eine Rolle. Um den Einfluss des Lichts weiß man allerdings bereits seit dem 19. Jahrhundert. "Bereits damals war bekannt, dass Haushühner bei künstlichem Licht zu vermehrter Eierproduktion angeregt werden können", erklärt der Biologe Andreas Hantschk, vom NHM. Vögel zählen zu jenen Tiergruppen, die am stärksten von Lichtverschmutzung gefährdet sind. In ihrem Lebensrhythmus sind sie besonders stark vom Verlauf der Jahreszeiten und damit vom Licht abhängig. Zudem orientieren sie sich zumeist optisch. In der Dämmerung werden sie von beleuchteten Gebäuden geblendet und fliegen gegen die Scheiben von Hochhäusern.

Licht kennt keine Grenzen

Licht kennt keine Grenzen und macht auch vor den Sternen nicht halt. Ihre Beobachtung ist in und rund um hell erleuchtete Städte nur eingeschränkt möglich. Astronomen geben Tipps, wie Stern- und Sternschnuppengucker trotzdem auf ihre Kosten kommen können. "Klarerweise sollten die Lichtglocken der Städte, die die Nacht bis zum Tausendfachen der natürlichen Helligkeit erleuchten, gemieden werden. Als Faustregel empfiehlt sich ein Abstand von 25 Kilometer pro Million Einwohner" sagt Wuchterl. Geeignet seien Schutzgebiete mit intaktem Nachthimmel. Auf einer Höhe von 2000 Metern leuchten Sterne und Sternschnuppen sogar um 20 Prozent heller als auf Meereshöhe.

Jüngst öffentlich gemachte Pläne, in den kommenden Jahren zehntausende Satelliten für ein weltumspannendes Kommunikationsnetz in den erdnahen Weltraum zu bringen, hat die Internationale Astronomische Union, die die Österreichische Akademie der Wissenschaft und Österreichs Kommission für Astronomie zu Kritik veranlasst: In der Endausbaustufe wären mit bloßem Auge mehr Satelliten am Nachthimmel zu sehen als Sterne.

Die Perseiden werden auch "Tränen des Laurentius" genannt, weil ihr Erscheinen mit dem Namenstag des Märtyrers Laurentius am 10. August zusammenfällt und früher als Tränen des Himmels über dessen Martyrium gedeutet wurden.