Laxenburg. In den vergangenen Jahrzehnten gelang es, in vielen Regionen die Versorgungslage mit Lebensmitteln zu verbessern. Dieser Erfolg könnte durch Klimawandelfolgen wie häufigere Dürren aber wieder zunichtegemacht werden. In einer Studie hat ein internationales Forschungsteam im Fachblatt "PNAS" Regionen identifiziert, in denen Kinder künftig noch stärker durch Unterernährung bedroht sein könnten.

In ihrer umfassenden Untersuchung analysierten die Wissenschafter aus den USA und vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien (NÖ) anhand der Daten von 580.000 Kindern aus 53 Ländern, wie sich Dürreperioden und Überschwemmungen seit dem Jahr 1990 auf die Ernährungssituation der jüngsten Erdbewohner auswirkten. Wenig überraschend zeigte sich ein deutlich negativer Effekt solcher Krisen, die vor allem in armen Ländern und Bevölkerungsschichten dramatisch durchschlagen.

Was hilft gegen Hunger?

Im Zuge der Klimaerwärmung steigen die Wahrscheinlichkeiten für Dürreperioden in vielen Regionen, wie es in einer Aussendung des IIASA heißt. "Wir fanden aber auch eine Reihe an Faktoren, die dabei helfen, dass Kinder von den Folgen einer Dürre weniger stark betroffen sind. Das sind funktionierende staatliche Strukturen, das Anbauen vielfältigerer Nutzpflanzen, höhere Pro-Kopf-Importe, die landwirtschaftliche Gesamtproduktion und Möglichkeiten zur Bewässerung", so der Erstautor der Studie, Matthew Cooper vom IIASA.

Auf Basis der vorliegenden historischen Daten entwickelten die Forscher ein Modell, anhand dessen sie Länder identifizierten, in denen die Dürrefolgen für Kinder künftig auch gravierender ausfallen könnten. "Das waren vor allem wasserarme und politisch instabile Länder mit schlechtem Zugang zum internationalen Handel, wie der Tschad, Eritrea, Somalia, der Südsudan, der Sudan oder der Jemen", so Cooper. Höhere Risiken identifizierten die Wissenschafter in vielen Teilen von Subsahara-Afrika, in manchen Regionen des Mittleren Ostens, Papua-Neuguinea, Nordkorea und vereinzelten Regionen Südamerikas.

Die Studie mache klar, "wie sehr nur einer der Haupteffekte des Klimawandels - nämlich häufigere und stärkere Dürren - vor allem Kinder in armen Ländern treffen wird, die selbst überhaupt nicht zur Klimakrise beigetragen haben. Das ist eine große Ungerechtigkeit, die es zu berücksichtigen gilt", sagte Cooper.(apa)